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Kritik: Love, Simon (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Im Jahre 2000 hat sich der US-Filmemacher und -Serienschöpfer Greg Berlanti mit seinem Werk "Der Club der gebrochenen Herzen – Eine romantische Komödie" schon einmal überaus charmant einem queeren Sujet im Gewand einer mainstreamig anmutenden Genre-Arbeit gewidmet. Mit "Love, Simon" – einer Leinwand-Adaption des gleichnamigen Romans von Becky Albertalli, für welche Elizabeth Berger und Isaac Aptaker das Drehbuch verfassten – legt er nun eine Highschool-RomCom vor, die all die üblichen Zutaten einer solchen Erzählung bietet und doch ein Novum, eine kleine Sensation darstellt.

"Love, Simon" ist die erste (!) Produktion eines großen Hollywood-Studios mit einem queeren Teenager im Zentrum. Allerdings ist dieser Film weit davon entfernt, ein bemühtes Lehrstück zu sein; vielmehr steht er ganz in der Tradition von unterhaltsam-sympathischen Coming-of-Age-Klassikern wie "Pretty in Pink" (1986) und kann es in puncto Witz locker mit diesen aufnehmen. Die Leichtigkeit hat zugleich etwas Subversives und Kluges: Wenn sich Simon zum Beispiel fragt, wieso Hetero-Sein eigentlich als Normalität gilt, und daraufhin in einer Fantasie-Sequenz das Prinzip des Outings auf den Kopf gestellt wird, indem sich junge Menschen vor ihren völlig entsetzten Eltern als hetero outen, ist das zum einen ein hübscher Gag – aber zum anderen noch deutlich mehr als das: Es gelingt hier, einer Situation, die für etliche Betroffene mit enormem Schmerz verbunden ist, eine absurde Komik zu verleihen und das Thema dennoch ernst zu nehmen. Wenn sich Simon wiederum seine Zukunft als schwuler, stolzer Student auf dem College in Los Angeles vorstellt und dabei in Regenbogenfarben kollektiv zu Whitney Houstons Musik getanzt wird, ist das ein cleveres Spiel mit Klischees.

Skript und Regie beweisen durchweg ein hohes Maß an Sensibilität in der Figuren- und Milieuzeichnung. Simons Familie ist äußerst harmonisch, seine Mom und sein Dad sind cool – und auch sein Konrektor an der Schule ist ein wirklich lustiger Typ, ebenso wie Simons kleine Highschool-Clique extrem liebenswürdig ist. Gleichwohl blendet der Film die Konflikte eines Coming-outs nicht aus. Neben amüsanten Passagen – etwa einer Halloween-Party – gibt es anrührende Momente, insbesondere ein Gespräch zwischen Mutter und Sohn geht wirklich zu Herzen. Das Ensemble spielt empathisch; der charismatische Hauptdarsteller Nick Robinson und die weiteren Cast-Mitglieder, von Jennifer Garner über Katherine Langford bis hin zu Tony Hale, liefern überzeugende Leistungen.

Fazit: Eine rundum einnehmende Tragikomödie, die mit Humor und Feingefühl vom Coming-out eines Jugendlichen erzählt – mit vielen schönen Ideen und guter Besetzung.




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