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Kritik: High Life (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Regisseurin Claire Denis ließ sich für ihren Film von französischen Astrophysikern und anderen wissenschaftlichen Experten beraten. Die 71-Jährige Denis, die selbst als Professorin arbeitet, ist seit den späten 80er-Jahren als Filmemacherin und Drehbuchautorin tätig. Zuvor war sie unter anderem Regie-Assistentin bei Wim Wenders ("Der Himmel über Berlin"). Einer von Denis bis heute bekanntesten Filmen ist ihr Debüt von 1988: das französisch-deutsch-kamerunische Drama "Chocolat".

Denis war schon immer eine Regisseurin, die sich gängigen Erzählmustern und inszenatorischen Konventionen widersetzt hat. Und: eine Künstlerin, die in ihren Werken immer auch zu provozieren wusste. In "High Life" macht sie all dies. Es handelt sich dabei um einen keineswegs einfach zu konsumierenden Film, den man durchaus öfter sehen sollte, gar muss, um die Symbolik, Aussagekraft und Andeutungshoheit in Gänze zu verstehen und zu erfassen. "High Life" ist nicht chronologisch erzählt, geprägt von Rückblenden und einer langsamen, fast bedächtigen Erzählweise (so vergeht zum Beispiel eine ganze Zeit, bis man das Raumschiff in all seiner Pracht überhaupt zu Gesicht bekommt).

Die Ruhe und Sanftheit im Erzähltempo werden durchbrochen durch teils verstörende Szene physischer, psychischer und vor allem sexueller Gewalt. Überhaupt das Thema Sexualität. Es zieht sich wie ein roter Faden durch den Film. Die Menschen nutzen Sex als Mittel der Erniedrigung, Unterdrückung oder um ihrem Frust sowie ihren Aggressionen Luft zu verschaffen (Stichwort: Fuck-Box). Mittendrin: Dr. Dibs, die Herrscherin über ihren eigenen Mikrokosmos, die Bestimmerin über das Leben und den Tod.

Als durchtriebene, ominöse Wissenschaftlerin liefert die Grande Dame des zeitgenössischen französischen Kinos, Juliette Binoche, eine Glanzleistung. Ihr in nichts nach steht Robert Pattinson, dessen Figur zwischen lethargischer Teilnahmslosigkeit, Selbstaufgabe und unbändiger Willenskraft hin- und hergerissen ist.

Fazit: Bizarrer, kammerspielartiger und herausragend gespielter Weltraumtrip, der Fragen nach den Ursprüngen und dem Wesen des Menschseins aufwirft.




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