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Tokio Hotel - Hinter die Welt
Tokio Hotel - Hinter die Welt
© mindjazz pictures

Kritik: Tokio Hotel - Hinter die Welt (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Tokio Hotel – Hinter die Welt" widmet sich der 1966 geborene Filmemacher Oliver Schwabe den vier Mitgliedern der titelgebenden Band, die zwischen 2005 und 2010 einen extremen Hype erlebte, bis die Zwillinge Bill und Tom Kaulitz ihrem Heimatland entflohen und nach Kalifornien zogen.

Das dokumentarische Werk konzentriert sich auf die Gegenwart der vier jungen Männer – auf ihre Gedanken und Gefühle im Hier und Jetzt sowie auf ihre aktuelle Lebens- und Arbeitssituation. Schwabe zeigt Bill und Tom mit deren Hunden in der Natur sowie im Tonstudio, lässt sie über ihre enge, beinahe symbiotische geschwisterliche Beziehung sprechen sowie über ihre musikalischen Ambitionen. Dabei wird natürlich auch ein Blick auf die Vergangenheit geworfen – auf die Kindheit, den Aufstieg, die Phase der hohen Medienpräsenz sowie den Entschluss, Deutschland zu verlassen und sich in Los Angeles ein neues Heim zu schaffen. Neben den Zwillingen – die stets mehr im Interesse der Öffentlichkeit standen – wird aber auch dem Bassisten Georg Listing und dem Schlagzeuger Gustav Schäfer der nötige Raum gegeben. Der Film begleitet die beiden unter anderem an die Elbe und demonstriert die unterschiedlichen Lebensstile von Georg und Gustav auf der einen Seite und den Kaulitz-Brüdern auf der anderen Seite. In Berlin trifft das Quartett zur Produktion des neuen Albums aufeinander; später folgt eine Welttournee. Interessant ist dabei vor allem, wie der Kontakt mit Fans eingefangen wird – insbesondere in Russland, wo sowohl die Songtexte als auch die extravaganten Kostüme von Frontsänger Bill rasch als Provokation aufgefasst werden können.

Oliver Schwabe nimmt seine Protagonisten ernst; das gegenseitige Vertrauen ist deutlich zu spüren. Womöglich erliegt der Filmemacher an einigen Stellen etwas zu sehr dem Charme der Band-Mitglieder und dem Glamour der aufwendigen Auftritte; gelegentlich hätte sich Schwabe dem Phänomen Tokio Hotel um eine Spur kritischer nähern können. Wichtig und richtig ist jedoch, dass "Tokio Hotel – Hinter die Welt" niemals in die Exploitation abdriftet. Der Film ist angenehm unaufgeregt und lässt erkennen, dass die vier Männer für das, was sie tun, tatsächlich Leidenschaft empfinden.

Fazit: Eine dokumentarische Betrachtung, die ihren prominenten Gegenstand nicht ausbeutet, sondern Interesse und Aufgeschlossenheit zeigt.




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