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© 24 Bilder © Port au Prince Pictures GmbH

System Error (2018)

Der Dokumentarfilm befasst sich kritisch mit der Ideologie des permanenten Wirtschaftswachstums.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.1 / 5

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Der Dokumentarfilmer Florian Opitz stellt den Glauben an permanentes Wirtschaftswachstum infrage. Auch der britische Ökonom Tim Jackson, der sich im Film äußert, ist der Ansicht, dass es kein ewiges Wirtschaftswachstum auf einer Welt mit endlichen Ressourcen geben kann. Vor allem aber holt Opitz Unternehmer vor die Kamera, die gegenteiliger Meinung sind. Brasilianische Agrarbarone, deutsche Versicherer, Auto- und Flugzeugbauer verbindet ein Ziel: Sie wollen immer mehr Gewinn machen. Aktionäre erwarten verlässliche Renditen, die erwirtschaftet werden müssen. Viele Unternehmer setzen ihre Hoffnungen auf den rasant wachsenden chinesischen Markt. Umweltschäden sind nicht die einzige Folge ungebremsten Wachstums, das oft in erster Linie das Vermögen der Reichen mehrt.

In einem historischen Abriss zeigt Opitz, wie sich mit der Rüstungsproduktion im Zweiten Weltkrieg das Bruttoinlandsprodukt als Maß für das Wirtschaftswachstum etablierte und welchen Kurs die Wirtschaftspolitik seither nahm. Heute haben sich die deregulierten Finanzmärkte und der elektronische Hochfrequenzhandel von der realen Wirtschaft zum Teil schon abgekoppelt. Selbst Experten meinen, dass sie das Geschehen an den Börsen nicht mehr verstehen. Geht dem Kapitalismus bald die Puste aus?

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

"Die Natur kennt kein unendliches Wachstum", heißt es im Voice-Over-Kommentar dieses Dokumentarfilms, aber "das Wirtschaftswachstum soll immer weitergehen". Sein Regisseur Florian Opitz beschäftigt sich mit der in der freien Marktwirtschaft vorherrschenden Idee des Mehr und Mehr, um sie als Wunschdenken und Irrglauben zu entlarven. Seine Gesprächspartner allerdings sucht er paradoxerweise häufig im kapitalistischen Establishment. Dort findet offenbar noch kein Umdenken statt, wie es in der Gesellschaft schon geschieht, zumindest in jenen Teilen, die sich mehr Umweltbewusstsein, soziale Fairness und gerechtere Handelsbedingungen weltweit wünschen.

Markus Kerber, der bis 2017 Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie BDI war, zeigt sich beispielsweise überzeugt davon, dass es wirtschaftliches Wachstum geben werde, solange es Menschen mit Bedürfnissen gibt. Auch andere Funktionäre und Unternehmer können solche Glaubenssätze blind herunterbeten, manche geraten dabei sogar ins Schwärmen. Eric Chen, der Präsident von Airbus China, kann sich gerade keinen besseren Absatzmarkt als das Reich der Mitte vorstellen. Auch die Agrarunternehmer im brasilianischen Mato Grosso sind mehr als zufrieden mit ihren Wachstumschancen im Export und sehen dafür keine Grenzen. Der Amazonas-Regenwald, der ihren Feldern und Tierfarmen weichen muss, stellt für sie ihren eigenen Worten zufolge keinen Wert dar, lässt er sich doch nicht zu Geld machen. Es bedarf im Grunde keines filmischen Kommentars mehr, um auf die naive Kurzsichtigkeit eines solchen ungebrochenen Wachstumsglaubens zu verweisen, sie schwingt in den Statements meistens schon mit.

Zuweilen streut Opitz, der wegen seines interessanten Exkurses in die Wirtschaftsgeschichte auch viel Archivmaterial verwendet, Zitate von Karl Marx in Texteinschüben ein. Der große Analyst und Kritiker des Kapitalismus hatte schon vor 150 Jahren auf den Zwang zu fortwährender Umsatz- und Kapitalsteigerung hingewiesen. Ein Vertreter eines großen deutschen Versicherungskonzerns erzählt, dass er ständig nach Geldanlageobjekten im asiatischen Raum Ausschau hält, die hohen Gewinn versprechen. Solche Gegenüberstellungen von Marx-Zitaten und aktuellen unternehmerischen Statements lassen staunen, wie luzide der Kapitalismus-Theoretiker die Globalisierung und ihre Auswirkungen vorausgesehen hat.

Fazit: Der Dokumentarfilmer Florian Opitz fragt einflussreiche und erfolgreiche Unternehmer, ob der Glaube an unbegrenztes wirtschaftliches Wachstum immer noch berechtigt ist. Die meisten seiner Gesprächspartner haben daran keinen Zweifel, aber der Film argumentiert auf kluge und anregende Weise dagegen. Es erstaunt nicht nur, wie aktuell die in kurzen Zitaten eingestreute Kapitalismuskritik von Karl Marx wirkt, sondern leider auch, dass in der Wirtschaft offenbar nicht über einen Systemwandel nachgedacht wird, weil sich kurzfristig noch Profite erzielen lassen.




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Land: Deutschland
Jahr: 2018
Genre: Dokumentation
Länge: 96 Minuten
Kinostart: 10.05.2018
Regie: Florian Opitz
Darsteller: Ulrike Herrmann, Florian Opitz, Anthony Scaramucci
Verleih: 24 Bilder, Port au Prince Pictures GmbH

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