oder

The Untamed (2017)

La región salvaje

Fantasy-Drama von Amat Escalante über die Triebhaftigkeit des Menschen.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Veronica (Simone Bucio) hat in einer Hütte im Wald ein sexuelles Erlebnis mit einem rätselhaften Wesen. Mit einer blutenden Wunde kommt sie ins Krankenhaus, wo sie der junge Arzt Fabian (Eden Villavicencio) behandelt. Fabian hat heimlich eine Beziehung mit Angel (Jesús Meza), seinem Schwager. Seine Schwester Alejandra (Ruth Ramos) weiß nichts von dieser Verbindung. Ihr gegenüber betont Angel immer seine Abscheu gegenüber Homosexuellen. Aber als Angel erfährt, dass Fabian mit Veronica befreundet ist, stellt er ihn zur Rede. Fabian trennt sich von Angel, der ihm daraufhin auf dem Handy Drohungen schickt und ihn beschimpft.

Veronica führt Fabian auf die Wiese in den Bergen und weist ihn an, das Ungeheuer zu suchen. Ein Hirte findet bald darauf den schwer verletzten Körper Fabians. Im Krankenhaus liegt Fabian fortan im Koma und Alejandra kommt dahinter, dass Angel eine Beziehung mit ihm hatte. Sie meldet ihren Mann der Polizei, die ihn verhaftet. Veronica kümmert sich um Alejandra und ihre beiden Kinder. Sie führt Alejandra dem Ungeheuer zu.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Der vierte Film des mexikanischen Regisseurs Amat Escalante ("Heli") befasst sich mit dem Es, jenem Teil der menschlichen Psyche, in dem die Triebe beheimatet sind. Die jungen Protagonisten begegnen zu unterschiedlichen Zeiten im Verlauf der Geschichte einem Ungeheuer, das in einer Hütte im Wald haust. Dort wohnt auch ein alter Wissenschaftler, der geheimnisvolle Lebewesen erforscht, mit seiner Frau. Das Ungeheuer bereitet unbeschreibliche sexuelle Lust, aber es kann auch eine zerstörerische Wirkung entfalten. So thematisiert der in Escalantes Heimatstadt Guanajuato und ihrer Umgebung gedrehte Film im Grunde die Triebfeindlichkeit des Katholizismus und die Verbiegungen, die eine von ihm geprägte konservative Gesellschaft den Menschen abverlangt.

Die Geschichte hüllt sich von Anfang an in eine rätselhafte Atmosphäre. Schon die erste Szene führt die Kreatur ein, die über riesige penisähnliche Tentakel verfügt. Dann aber ist Veronica nach ihrem lustvollen Erlebnis mit ihr plötzlich verletzt – in der Klinik wird es heißen, ein Hund habe sie gebissen. Man weiß lange nicht, ob die entfesselte Sexualität auch die anderen Triebe in den Menschen freisetzt, so dass sie sich gegenseitig wehtun, oder ob das märchenhafte Wesen selbst Menschenopfer fordert, als Strafe für so viel Freizügigkeit. Das Ungeheuer verkörpert das Animalische und ruft es auch in den Menschen wach, sodass diese ein Durcheinander in ihrem Wertgefüge erleben. Die Hütte im Wald, das alte Ehepaar, das darin wohnt, bringen eine archaische, märchenhafte Note in die Geschichte. Die Kamera folgt einmal einem Auto, das von der Straße auf einen Waldweg abbiegt und zur Hütte fährt, von oben. So entsteht ein schönes Bild für das Geheimnisvolle, dem der Mensch in seiner Entdeckungslust unbedingt folgen will.

Dabei haben zwei Personengruppen in der örtlichen Gesellschaft offenbar keine Möglichkeit, ihre Sexualität befriedigend auszuleben. Die jungen Frauen werden als Sexobjekt angesehen, haben aber in der machistischen Kultur nichts zu melden und kommen in ihren privaten Beziehungen zu kurz. Die schwulen Männer sind sozial geächtet. Angel würde niemals offen zu seiner homosexuellen Neigung stehen. Dabei macht ihn diese Selbstverleugnung und die Angst auch sehr aggressiv. Die Gewalt lauert überall und das Verstörende ist die fehlende Eindeutigkeit, ob sie von der Triebunterdrückung oder der Triebentfesselung herrührt. So lässt der Regisseur den Zuschauern viel Freiraum, um die eigene Fantasie spielen zu lassen.

Fazit: Dieser Spielfilm des mexikanischen Regisseurs Amat Escalante entwickelt eine schillernde Ambivalenz zwischen Fantasymärchen und Thriller. Die Geschichte setzt sich mit der Triebfeindlichkeit der katholischen mexikanischen Gesellschaft, mit ihrer Misogynie und Homophobie auseinander. Wenn die Menschen einmal ihrer Lust freien Lauf lassen, bleibt das nicht ungestraft – auch nicht in dieser fantasievollen Handlung, die den Zuschauern viel Raum für eigene gedankliche Expeditionen lässt.




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Land: Deutschland, Frankreich, Schweiz, Dänemark, Norwegen, Mexiko
Jahr: 2017
Genre: Action, Drama, Horror, Science Fiction
Länge: 98 Minuten
Kinostart: 11.01.2018
Regie: Amat Escalante
Darsteller: Ruth Ramos als Alejandra, Simone Bucio als Verónica, Jesús Meza als Ángel
Verleih: Forgotten Film Entertainment

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