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Kritik: Cobain (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Hauptrollen in "Cobain" besetzte die niederländische Regisseurin Nanouk Leopold mit Darstellern ohne bisherige Film- oder Kinoerfahrung: Für Bas Keizer ist es die erste Rolle überhaupt, Naomi Velissariou war bis bisher fast ausschließlich am Theater tätig.

Bei der diesjährigen Berlinale lief das Drama in der Sektion "Generation 14plus". Nicht der erste Film von Leopold, der im Rahmen der Berliner Filmfestspiele gezeigt wurde. Ihr Film "Oben ist es still" feierte vor fünf Jahren dort Premiere. Ihren Durchbruch feierte die in Rotterdam geborene Leopold 2010 mit dem Film "Brownian Movement", den sie mir Sandra Hüller in der Hauptrolle besetzte.

Schon lange traf ein Coming-of-Age-Film nicht mehr derart mitten ins Herz wie "Cobain". Und schon lange war eine Mutter-Kind-Beziehung in einem Familien-Drama nicht mehr von solch heftigen, sich stets ins Gegenteil verkehrenden Emotionen und Verhaltensweisen der Figuren geprägt. Schon sehr früh wird deutlich, wie stark Cobain hin- und hergerissen und sein Gefühlsleben von einer starken Ambivalenz geprägt ist. So ist er einerseits zutiefst um die Gesundheit seiner Mutter und vor allem auch des ungeborenen Babys besorgt. Andererseits aber ist er wütend, fühlt sich allein und kann nicht verstehen, wieso ihn seine Mutter im Stich gelassen hat.

Unterfüttert werden diese kontroversen, widersprüchlichen Ansichten und Gemütsbewegungen noch durch die Tatsache, dass Cobain von seinem Umfeld immer wieder eingeredet wird, wie wert- und nutzlos seine Mutter doch sei – so zum Beispiel auch vom skrupellosen Wickmayer, der in einer Szene meint, Mia sei nichts weiter als "ein Loch, aus dem Cobain herausgekrochen" sei.

Dass Cobains Zerrissenheit dennoch so glaubhaft und authentisch wirkt, liegt zuvorderst an den einnehmenden, hingebungsvollen Darbietungen der Darsteller. Gerade Laien-Schauspieler Keizer überzeugt durch sein ungekünsteltes, lebensechtes Gestik- und Mimik-Spiel, das Dringlichkeit und Unmittelbarkeit vermittelt. Leopold und ihr Kameramann Frank van den Eeden fangen die Stimmungsschwankungen und das fragile Emotionsleben der Hauptfigur direkt in etlichen Nahaufnahmen von Cobains Gesicht ein, wodurch die Wirkung noch verstärkt wird.

Überhaupt die Kameraarbeit: Die Kamera folgt Cobain fast unentwegt immer und überall hin, lässt uns das Geschehen so ohne Umschweife aus Cobains Sicht mitverfolgen. Gegen Ende beweist Leopold dann auch noch gehörig Mut, wenn die Mutter-Sohn-Beziehung eine völlig unerwartete, rigorose Wendung nimmt.

Fazit: Dringlicher, von einem phantastischen Hauptdarsteller getragener Mix aus Coming-of-Age, Jugend-Porträt und Familien-Drama, der vom inszenatorischen Mut der Regisseurin lebt.




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