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Kritik: Papillon (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Was der 1973 verstorbene Franzose Henri Charrière in einer Strafkolonie in Französisch-Guyana erlebte, ist eine für die Ewigkeit bestimmte Geschichte, wie sie das Kino liebt. Der hochdramatische Stoff, den Charrière, der den Spitznamen Papillon trug, in dem gleichnamigen Roman verarbeitete, legt Zeugnis ab von der Unmenschlichkeit seiner Haft in der Epoche des Kolonialzeitalters. Und er ist zugleich ein bewegendes Loblied auf den unbeugsamen Freiheitswillen des Menschen und die Kraft der Freundschaft.

1973 eroberte die Geschichte die Kinoleinwand, in einer längst als Klassiker geltenden Verfilmung mit Steve McQueen und Dustin Hoffman. Nun kommt ein Remake heraus, das die erste englischsprachige Regiearbeit des Dänen Michael Noer darstellt. Natürlich muss es sich am Original messen lassen, auch wenn es bei diesem Vergleich doch sehr ungünstig abschneidet. Charlie Hunnam erinnert in der Titelrolle schon äußerlich stark an Steve McQueen, während Rami Malek und Dustin Hoffman nicht viel mehr als die Brille verbindet, die ihr Charakter Louis Dega in beiden Filmen trägt. Hunnam und Malek altern in ihren Rollen nicht so stark. Auch am Schluss sehen Papillon und Dega gut aus und wirken entspannt, während ihnen im Originalfilm die psychische Deformierung durch die jahrelangen Qualen anzumerken war. Hier bekommen die Figuren weniger Tiefe. Sie wirken zwar näher an der Gegenwart, aber auch beliebiger, geglätteter.

Die Kameraarbeit ist auch moderner, schnittintensiver, agiler. Aber das fördert den Überblick über das Geschehen nicht, sondern führt allenfalls näher an ein paar blutige Szenen heran. Das Gefühl der existenziellen Schwere und Verlorenheit, das das Original kennzeichnete, stellt sich hier nicht so überzeugend ein. Erstaunlicherweise schaut der Film, der sich über weite Strecken sehr an den Vorgänger anlehnt, auch genau dort nicht lange genug hin, wo es sich am meisten lohnt. Wie Papillon in seiner Zelle die Kakerlaken fängt und verspeist, interessiert als Motiv der Verzweiflung und des Elends nur den Film von 1973. Auch die Figur des schwulen Mithäftlings Maturette (Joel Basman) erhält diesmal kaum die nötige Beachtung. Zudem fehlen im Remake eindrucksvolle Passagen wie die Begegnung mit dem Indiostamm und vor allem mit den Leprakranken. So beweist das Remake insgesamt hauptsächlich, dass der Filmklassiker von 1973 auch aus heutiger Sicht lohnender ist.

Fazit: Regisseur Michael Noer und seine Hauptdarsteller Charlie Hunnam und Rami Malek kämpfen im Grunde auf verlorenem Posten, denn dieses Häftlings- und Fluchtdrama muss sich als Remake natürlich mit dem Klassiker von 1973 mit Steve McQueen und Dustin Hoffman messen lassen. In jener ersten Verfilmung kommen die wahren Erlebnisse des Titelhelden Henri Charrière in einer französischen Strafkolonie viel dramatischer zur Geltung. Sie erweist sich in so gut wie jeder Hinsicht, von der Figurenzeichnung über die erzählerische Ökonomie bis zur Bildgestaltung als überzeugender und bewegender als dieses Remake.




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