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Kritik: Garten der Sterne (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In seinem Dokumentarwerk "Garten der Sterne" befasst sich das Regie-Duo Pasquale Plastino und Stephane Riethauser mit dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof Berlin – insbesondere mit dem dazugehörigen "Café Finovo" und dessen Gründer Bernd Boßmann alias "Ichgola Androgyn". Das Friedhofscafé, welches das erste seiner Art in Deutschland war, bringt in seinem Namen das Ende sowie den Neubeginn in direkte Verbindung und deutet damit einen Übergang an. Der Film setzt sich mit schweren Themen – mit frühem Tod und Trauer – auseinander, macht dies jedoch auf eine ausgesprochen optimistische Art und Weise. Dies ist vor allem Bernd Boßmann zu verdanken, welcher sich als wunderbarer Protagonist erweist.

Plastino und Riethauser verweben ihre Aufnahmen des Friedhofs mit Archivmaterial aus Boßmanns Vergangenheit. So drehte dieser etwa mit den Filmemachern Rosa von Praunheim und Michael Brynntrup und war als Aktivist für AIDS-Hilfe-Projekte tätig. Ferner lassen die beiden Regisseure den (Lebens-)Künstler ausführlich zu Wort kommen; sie lassen ihn von seiner Anfangszeit in Berlin, von der Entstehung des "Café Finovo" und von seinen Ansichten über das Sterben und den Umgang damit erzählen. Diese Passagen sind niemals sentimental, stecken aber voller Feingefühl, sind klug und reflektiert. Wenn Boßmann erläutert, er habe mit seinem Café einen Ort der Kommunikation für all die Menschen, die den Friedhof besuchen, schön machen und betreuen, schaffen wollen, demonstrieren die Kamerabilder, wie sehr ihm dies gelungen ist. Boßmann spricht von einer Reform der Sepulkral- und Friedhofskultur – dass eine Ruhestätte nicht zwangsläufig mit absoluter Stille und leisem Flüstern einhergehen muss, sondern auch lautere Kinderstimmen, Lachen und lebhafte Unterhaltungen zulassen darf. Solche Darlegungen sind ebenso eindrücklich wie Boßmanns Schilderungen von seiner Arbeit als Bestatter für still geborene Kinder.

Eingerahmt wird das Werk von dem Grimm'schen Märchen "Der Gevatter Tod", welches von Zazie de Paris in herrlich markantem Duktus via voice-over präsentiert wird. Auch dies trägt dazu bei, aus "Garten der Sterne" ein beglückendes Filmerlebnis zu machen.

Fazit: Weise, philosophisch und Mut machend – ein sehr schöner Film über eine ernste Thematik. Sehenswert!





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