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Auf der Jagd - Wem gehört die Natur?
Auf der Jagd - Wem gehört die Natur?
© NFP marketing & distribution / BROADVIEW Pictures

Kritik: Auf der Jagd - Wem gehört die Natur? (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Zunächst einmal ist Alice Agneskirchners Dokumentarfilm attraktiv anzuschaun. Johannes Imdahls und Owen Prümms Bildgestaltung gleicht mal einem Horror-, mal einem Kostümfilm, je nachdem, ob Wölfe im Mondschein durch den Wald streifen oder Jäger wie auf einem Gemälde Caspar David Friedrichs hoch oben erhaben über die nebelverhangenen Täler blicken. Kameraflüge fangen die Anmut der Natur wiederholt aus der Vogelperspektive ein, offenbaren dabei aber auch, dass diese keine unberührte, sondern eine von Menschen gemachte Kulturlandschaft ist. Und so ästhetisch der Film dies auch in Szene setzt, die Jagd selbst zeigt er ungeschönt.

Agneskirchners Blick auf die Natur ist weitschweifig, der aufs Thema begrenzt. Die üblichen Jagdgegner von (militanten) Tierschützern bis Veganern kommen nicht zu Wort. Stattdessen hat sich die Regisseurin auf einen engen Kreis beschränkt, der die Jagd zwar nicht durchweg, aber generell positiv sieht. Dass funktioniert dennoch, da dieser Mikrokosmos keineswegs homogen ist. Die Meinungen, etwa zu Höhe, Sinn dun Zweck der Abschussquoten, gehen nicht nur zwischen Forstbeamten und Jägern, sondern auch innerhalb der Jägerschaft weit auseinander. Schwarze Schafe unter den Jägern kommen zwar nicht direkt vor, werden aber von Kollegen benannt. Wildbiologin und Jägerin zugleich zu sein, auch das macht der Film anschaulich, ist kein Widerspruch.

Ohne Wertung stellt die Regisseurin die Aussagen nebeneinander, liefert lediglich Zahlen und Fakten, mal als Einblendungen, mal durch einen Erzähler aus dem Off. Hier leistet "Auf der Jagd – Wem gehört die Natur?" vor allem eine wichtige Einordnung in einen größeren Kontext. So unaufgeregt Agneskirchner ihren Film inszeniert, so ruhig räumt sie auch mit mancher idealisierter Naturvorstellung auf, ohne menschengemachte Paradoxien und Misswirtschaften unter den Teppich zu kehren. Antworten auf die zu Beginn aufgeworfenen Fragen, liefert sie keine, sondern überlässt ihrem Publikum ein eigenes Urteil. Das ist vielleicht das größte Verdienst in einer Zeit, in der auch in Dokumentarfilmen Debatten zunehmend einseitig, unsachlich und schulmeisterlich geführt werden.

Fazit: "Auf der Jagd - Wem gehört die Natur?" begibt sich tief in die deutschen Wälder, geht ihren Lebensräumen und Wirtschaftskreisläufen auf den Grund. Der Blick ist auf einen engen Kreis beschränkt, bietet aber allerhand Ansichten und Widerspruch. Regisseurin Alice Agneskirchner überlässt es dabei ihrem Publikum, sich eine eigene Meinung zu bilden.




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