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Draussen in meinem Kopf
Draussen in meinem Kopf
© Salzgeber & Co

Kritik: Draußen in meinem Kopf (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Spielfilmdebüt der Regisseurin Eibe Maleen Krebs, die zusammen mit Andreas Keck auch das Drehbuch schrieb, ist ein wuchtiges Psychodrama im Gewand eines Kammerspiels. Die Geschichte wurde mit Hilfe des Wim-Wenders-Stipendiums zur Förderung innovativer filmischer Erzählkunst entwickelt und fällt mit ihrem kompromisslosen Realismus tatsächlich deutlich aus dem Rahmen durchschnittlicher filmischer Unterhaltungskost.

Der todgeweihte Sven kann zwar noch sprechen und mit einem Mundstück die Computermaus steuern. Aber er muss immer öfter eine Sauerstoffmaske aufsetzen und wird bald schon nicht mehr schlucken können. Sven befindet sich psychisch in einer verzweifelten Lage. Sein neuer Betreuer Christoph begegnet ihm einfühlsam und respektvoll und holt ihn aus seiner Einsamkeit ein Stück weit heraus. Aber so nahe sich Sven und Christoph menschlich auch kommen, nie beschönigt oder verharmlost der Film den Ernst der Lage, nämlich dass ein noch sehr junger, leidgeprüfter Mann Abschied vom Leben und all seinen Träumen nimmt.

Samuel Koch, der nach seinem Unfall bei "Wetten, dass..?" 2010 trotz Querschnittslähmung sein Schauspielstudium fortsetzte und abschloss, spielt Sven mit einer Intensität und Wahrhaftigkeit, die unter die Haut geht. Dieser Charakter ist wie ein Vulkan, unter seiner erzwungenen Selbstbeherrschung brodelt es gewaltig. Ob Sven will oder nicht, er muss das Kommen und Gehen der Pflegekräfte, das Gewaschen- und Gefüttertwerden, ja selbst den Gesang eines Amateurchors, der in der Vorweihnachtszeit an sein Bett tritt, während er die Sauerstoffmaske aufhat, ertragen. Der Film, der sich bis fast zum Schluss ausschließlich in Svens Zimmer abspielt, zeigt minutiös, wie viel Kraft der Alltag diesen Mann kostet. Doch Christophs Blicke und Berührungen schenken Sven auf ganz neue Art Würde und das Gefühl, lebendig zu sein.

Die sich festigende Freundschaft steht in einem ständigen Spannungsverhältnis zum Thema Tod. Sven hört mit Inbrunst Bach-Kantaten wie "Komm süßer Tod". In seine Todessehnsucht mischt sich eine selbstzerstörerische Wut auf den eigenen Körper. Svens Haltung ist nicht sanftmütig, sondern unversöhnlich. Der Film folgt dieser energiegeladenen, mit wenig Worten auskommenden persönlichen Abrechnung bis zum verstörenden Ende. Stets beeindruckt dabei, wie genau er hinschaut, wie ernst er seine Figuren nimmt.

Fazit: Ein junger Mann, der an Muskelschwund leidet und sich dem Ende seines Lebens nähert, bekommt einen neuen, völlig unerfahrenen Betreuer, der ein Freiwilliges Soziales Jahr ableistet. Über Hindernisse hinweg entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Charakteren, die von Samuel Koch und Nils Hohenhövel bewegend und sehr glaubwürdig gespielt werden. Das intensive Kammerspiel unter der Regie von Eibe Maleen Krebs beeindruckt aufgrund seiner Wahrhaftigkeit und der ungeschönten Radikalität eines schmerzlichen Abschieds vom Leben.




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