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Kevin Roche - Der stille Architekt
Kevin Roche - Der stille Architekt
© Salzgeber & Co

Kritik: Kevin Roche - Der stille Architekt (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Dokumentarfilm von Mark Noonan porträtiert den über 90-jährigen Stararchitekten Kevin Roche und würdigt sein imposantes Lebenswerk. Der gebürtige Ire, der in den USA lebt, hat nicht einfach nur prestigeträchtige Gebäude entworfen, sondern zu einem neuen Verständnis von Architektur beigetragen. Roche zufolge soll die Architektur den Menschen dienen und Räume schaffen, in denen sie einander begegnen können. Schon in den 1960er Jahren ließ er den neuen Sitz der Ford Foundation in New York nicht mehr wie ein übliches Bürogebäude aussehen, sondern gab ihm mit Glasdächern und einem Garten einen luftigen, lebensfrohen Anstrich.

Viele von Roches Gebäuden besitzen ein lichtdurchflutetes Foyer unter einer Glaskuppel oder begrünte Dächer und Gänge unter Pergolen. Manche seiner Konstruktionen gehen nicht in die Höhe, sondern breiten sich wie ein Campus in naturnaher Umgebung aus. Roche ist es wiederholt ein Anliegen gewesen, die Natur in die Stadt hereinzuholen. Der Film schildert, indem er ihn und zahlreiche andere Architekten erzählen lässt, sehr spannend, wie Roche im Kontakt mit Mies van der Rohe und Eero Saarinen seinen eigenen Stil fand. Die Urteile der Kollegen und Architekturexperten sind natürlich voll des Lobes und wenn es mal heißt, dass sein Ego durchaus ausgeprägt sei, dann klingt selbst das anerkennend. Wenn der Ire selbst erzählt, wirkt er entspannt und gelassen. Für ihn ist geistige Arbeit eine permanente Notwendigkeit, wie er gerne betont. Mit solchen kurzen, auch ins Private oder Philosophische reichenden Einlassungen des Architekten schafft der Film Raum für Kontemplation.

Über weite Strecken aber ist die Kamera in ständiger, fließender Bewegung. Sie kreist über den Gebäuden, die Roche kreiert hat, umspielt sie von allen Seiten, durchmisst sie schwebend, erkundet eine Vielzahl von Perspektiven. So können auch die Zuschauer teilhaben am anregenden Neben- und Miteinander von Wasser, Stein, Glas, Licht und Pflanzen, von strengen und filigranen oder organischen Formen. Im Grunde hat Noonan eine filmische Laudatio und Werk-Präsentation abgeliefert, in der fachliche Kontroversen und Dissonanzen so gut wie keinen Raum haben. Aber das schmälert ihren Wert und ihre Schönheit nicht.

Fazit: Mark Noonan würdigt mit seinem Dokumentarfilm das Lebenswerk des über 90-jährigen Stararchitekten Kevin Roche. Der gebürtige Ire, der in den USA Karriere machte, hat die Architektur grüner und demokratischer gemacht, mit Gebäuden, die Begegnungen, inspirierende Aussichten und folglich einen angenehmen Aufenthalt ermöglichen. Roche und andere Architekten nehmen im Film Stellung zu seinem Werk, das mit eleganter, dynamischer Kamera wie in einem Werbefilm gefeiert wird. Dieses schöne Künstlerporträt belegt zugleich eindrucksvoll, wie sehr Architektur das Lebensgefühl des Städters und Büromenschen beeinflusst.




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