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Die Temperatur des Willens
Die Temperatur des Willens
© eksystent distribution filmverleih

Die Temperatur des Willens (2018)

Dokumentarfilm über die katholische Ordensgemeinschaft der Legionäre Christi.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
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Pater Martin Baranowski ist deutscher Priester der Legionäre Christi. Er veranstaltet unter anderem Jugendcamps. In seinen Seminaren und Vorträgen, auch vor Erwachsenen aus der zugeordneten Laienbewegung Regnum Christi, nimmt er manchmal Stellung zur unrühmlichen Geschichte des Ordens. Die ultrakonservative Ordensgemeinschaft wurde 1941 von Marcial Maciel in Mexiko gegründet. Sie verfolgt das Ziel der Missionierung der Gesellschaft. Maciel hatte sehr gute Kontakte zum Vatikan, besonders auch zu Papst Johannes Paul II. Ehemalige Mitglieder wandten sich bereits 1997 an den Vatikan und beschuldigten Maciel des langjährigen, systematischen sexuellen Missbrauchs von minderjährigen Schülern und Seminaristen. Der Skandal aber wurde vom Vatikan erst nach Maciels Tod 2008 abschließend untersucht. Der Vatikan erkannte "Straftaten" und ein "gewissenloses Leben ohne echte religiöse Gesinnung".

Die Legionäre Christi zerbrechen sich seither darüber den Kopf, wie das "Charisma" des Ordens von der Person des Gründers getrennt werden kann. Und sie haben im Alltag, wie auch die Laien von Regnum Christi, mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Der liberale Zeitgeist macht sich ihrer Meinung nach selbst in der katholischen Kirche zu stark bemerkbar. Dennoch spricht gerade der Ernst ihres Glaubens auch junge Menschen an.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

In seinem ersten Langfilm beobachtet der Regisseur Peter Baranowski Priester und Novizen der Ordensgemeinschaft der Legionäre Christi. Im Zentrum dieses Porträts einer konservativen katholischen Glaubensgemeinschaft in einer zunehmend religionsfernen Gesellschaft steht Pater Martin Baranowski, der Bruder des Filmemachers. Die Kamera begleitet ihn zu verschiedenen Veranstaltungen wie Jugendcamps, Messen, Kundgebungen, Seminaren. Schwerpunktmäßig widmet sich der Pater der Jugendarbeit. So beobachtet der Film auch jugendliche Teilnehmer der Freizeiten und Pfarrmissionen und interessiert sich für deren Motivation.

Dass sich die Legionäre Christi in einer doppelten Krise befinden, kristallisiert sich erst allmählich heraus. Der Regisseur platzt nicht gleich zu Anfang mit der moralischen Bürde heraus, die auf der Gemeinschaft wegen ihres Gründers, einem sexuellen Straftäter, lastet. Es sind die Priester selbst, die dazu in ihren Ansprachen vor Publikum Stellung nehmen. Dann distanzieren sie sich von der Person des Gründers, beharren aber auf der Existenzberechtigung der Glaubensgemeinschaft. Fast noch wichtiger ist, auch für die Laiengemeinschaft Regnum Christi, die gesellschaftliche Standortbestimmung. Ein paar Szenen beleuchten wie beiläufig den ideologischen Graben zwischen diesen Christen und ihrem Umfeld. In einem Gesprächskreis tauschen sich Gläubige darüber aus, wie sie auf die als dominant empfundenen liberalen Kräfte in der Pfarrgemeinde reagieren sollen. Und bei einer Missionierung an der Haustür schmettert der alte Bewohner die Aufforderung zur Beichte mit der Bemerkung ab, er sei längst sündenfrei.

Oft hangeln sich die ungeordnet anmutenden Beobachtungen an solchen kleinen und größeren Irritationen entlang. Besonders die Jugendlichen machen sich offenbar intensiv Gedanken über den Wunsch, religiös Stellung zu beziehen, und die soziale Ausgrenzung, die sie dann beispielsweise in der Schule erfahren. Vielleicht ist es gerade dieser Mut zur eigenen Haltung, der Jugendliche – auch Mädchen werden auf den Jugendcamps gesichtet – anspricht. Es fällt jedoch auf, wie wenig sich der Film mit den konkreten Regeln und Dogmen der Legionäre Christi befasst. So weiß man über weite Strecken nicht genau, womit man es hier zu tun hat. Darin spiegelt sich eine filmische Distanz zum Thema, aber wohl auch die Absicht, unvoreingenommen zu bleiben.

Fazit: Die Priester und Anhänger der katholischen Ordensgemeinschaft der Legionäre Christi haben im Alltag oft das Gefühl, gegen den Strom zu schwimmen. Zu schaffen macht den ultrakonservativen Gläubigen nicht nur, dass sich ihr Gründer als sexueller Straftäter entpuppte, sondern auch der liberale Zeitgeist in einer zunehmend religionsfernen Gesellschaft. Die behutsamen Beobachtungen des Dokumentarfilmers Peter Baranowski lassen die Irritationen und Probleme innerhalb dieser evangelisierenden Gemeinschaft eher beiläufig erkennen. Interessant erscheinen besonders die auf ihren Jugendcamps gewonnenen Eindrücke.




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Land: Deutschland
Jahr: 2018
Genre: Dokumentation
Länge: 104 Minuten
Kinostart: 07.06.2018
Regie: Peter Baranowski
Verleih: eksystent distribution filmverleih

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