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Die Temperatur des Willens
Die Temperatur des Willens
© eksystent distribution filmverleih

Kritik: Die Temperatur des Willens (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In seinem ersten Langfilm beobachtet der Regisseur Peter Baranowski Priester und Novizen der Ordensgemeinschaft der Legionäre Christi. Im Zentrum dieses Porträts einer konservativen katholischen Glaubensgemeinschaft in einer zunehmend religionsfernen Gesellschaft steht Pater Martin Baranowski, der Bruder des Filmemachers. Die Kamera begleitet ihn zu verschiedenen Veranstaltungen wie Jugendcamps, Messen, Kundgebungen, Seminaren. Schwerpunktmäßig widmet sich der Pater der Jugendarbeit. So beobachtet der Film auch jugendliche Teilnehmer der Freizeiten und Pfarrmissionen und interessiert sich für deren Motivation.

Dass sich die Legionäre Christi in einer doppelten Krise befinden, kristallisiert sich erst allmählich heraus. Der Regisseur platzt nicht gleich zu Anfang mit der moralischen Bürde heraus, die auf der Gemeinschaft wegen ihres Gründers, einem sexuellen Straftäter, lastet. Es sind die Priester selbst, die dazu in ihren Ansprachen vor Publikum Stellung nehmen. Dann distanzieren sie sich von der Person des Gründers, beharren aber auf der Existenzberechtigung der Glaubensgemeinschaft. Fast noch wichtiger ist, auch für die Laiengemeinschaft Regnum Christi, die gesellschaftliche Standortbestimmung. Ein paar Szenen beleuchten wie beiläufig den ideologischen Graben zwischen diesen Christen und ihrem Umfeld. In einem Gesprächskreis tauschen sich Gläubige darüber aus, wie sie auf die als dominant empfundenen liberalen Kräfte in der Pfarrgemeinde reagieren sollen. Und bei einer Missionierung an der Haustür schmettert der alte Bewohner die Aufforderung zur Beichte mit der Bemerkung ab, er sei längst sündenfrei.

Oft hangeln sich die ungeordnet anmutenden Beobachtungen an solchen kleinen und größeren Irritationen entlang. Besonders die Jugendlichen machen sich offenbar intensiv Gedanken über den Wunsch, religiös Stellung zu beziehen, und die soziale Ausgrenzung, die sie dann beispielsweise in der Schule erfahren. Vielleicht ist es gerade dieser Mut zur eigenen Haltung, der Jugendliche – auch Mädchen werden auf den Jugendcamps gesichtet – anspricht. Es fällt jedoch auf, wie wenig sich der Film mit den konkreten Regeln und Dogmen der Legionäre Christi befasst. So weiß man über weite Strecken nicht genau, womit man es hier zu tun hat. Darin spiegelt sich eine filmische Distanz zum Thema, aber wohl auch die Absicht, unvoreingenommen zu bleiben.

Fazit: Die Priester und Anhänger der katholischen Ordensgemeinschaft der Legionäre Christi haben im Alltag oft das Gefühl, gegen den Strom zu schwimmen. Zu schaffen macht den ultrakonservativen Gläubigen nicht nur, dass sich ihr Gründer als sexueller Straftäter entpuppte, sondern auch der liberale Zeitgeist in einer zunehmend religionsfernen Gesellschaft. Die behutsamen Beobachtungen des Dokumentarfilmers Peter Baranowski lassen die Irritationen und Probleme innerhalb dieser evangelisierenden Gemeinschaft eher beiläufig erkennen. Interessant erscheinen besonders die auf ihren Jugendcamps gewonnenen Eindrücke.




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