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Exodus (2017)

Exodus Where I Come from Is Disappearing

Der Dokumentarfilm porträtiert Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern auf der Suche nach Heimat.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Die Menschen, die dieser Dokumentarfilm über einen Zeitraum von zwei Jahren begleitet, leben auf vier verschiedenen Kontinenten. Sie mussten ihr Zuhause verlassen, weil es dort Krieg gibt, weil sie vertrieben wurden, weil sie dort keine Perspektive für sich sehen. Aber wie ist das, in der Fremde zu sein?

Die junge Syrerin Dana wollte nicht länger vor den ständigen Bombenangriffen zittern. Sie ging alleine nach Brasilien und arbeitet in Sao Paolo als Sekretärin in einer Moschee. Doch nach einem Jahr überlegt sie, zu Verwandten nach Kanada zu ziehen. Der Palästinenser Nizar kommt auch aus Syrien nach Brasilien, mit einem humanitären Visum, das das Land den Bürgerkriegsflüchtlingen erteilt. Doch er bleibt nicht lange, sondern zieht erst zu seinem Bruder nach Kuba und dann nach Deutschland.

Napuli floh aus dem Südsudan nach Uganda und von dort nach Deutschland, wo sie sich kämpferisch für die Rechte von Flüchtlingen engagiert. Bruno aus Togo lebt in Deutschland und kritisiert, dass Flüchtlinge hier zu jahrelangem Nichtstun verdammt sind. Aus dem Kachin-Staat in Myanmar sind rund 100.000 Menschen in Lager geflüchtet. Von dort wagen viele von ihnen kurze, lebensgefährliche Besuche in ihre nahen Heimatdörfer. Tarcha wohnt seit Jahrzehnten in einem algerischen Flüchtlingslager. Marokko hindert sie und andere Sahrauis daran, in ihre Heimat Westsahara zurückzukehren.

Bildergalerie zum Film

Exodus - Protest in KölnExodus - Kachin - Familie besucht verlassenes HausExodus - Kachin - Familie im LagerExodus - Tarcha und Tochter an der MauerExodus - Napulis Eltern in ChukudumExodus - Sahara Libre Human Arts Projekt (8000 Menschen)


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Der Dokumentarfilm von Hank Levine betrachtet Flucht und Migration als ein globales Phänomen. Weltweit verlassen Menschen ihre Heimat und suchen einen neuen Ort, an dem sie dauerhaft oder vorübergehend leben wollen. In der Fremde sind sie hin- und hergerissen zwischen Heimweh und dem Wunsch, ihre Zukunft selbstbestimmt zu gestalten. Die verschiedenen Menschen, die dieser Film porträtiert, befinden sich auf einer Odyssee, sind noch lange nicht angekommen, sobald sie ein Dach über dem Kopf haben.

Manche der Porträtierten sind aufgebrochen, um sich ein neues Leben aufzubauen. Andere, wie Tarcha vom Volk der Sahrauis, warten ein Leben lang nur auf die Rückkehr in die Heimat. Der Film versucht nicht, all diese unterschiedlichen Menschen über einen Kamm zu scheren, sondern interessiert sich für ihre spezifische Lage, ihre individuellen Sehnsüchte und Ansichten. Die Heimat zu verlassen, sie verlassen zu müssen, bedeutet einen ungeheuren Bruch in der Biografie. Die Bauern aus Kachin-Staat müssen sich in den Lagern oder in deren Umgebung eine Arbeit suchen, während ihre Häuser in idyllisch anmutender Landschaft leerstehen. Die Muslimin Dana schätzt ihr Leben in Sao Paolo, die Freiheiten, die sie als junge Frau hat. Aber sie ist einsam unter vielen Menschen und meint, mit ihrem Kopftuch als Fremde aufzufallen. Napuli wollte in Deutschland gar keinen Asylantrag stellen, sondern studieren, und versteht nicht, warum man ihr das nicht erlaubte.

"Krieg hinter mir, Mauern vor mir, wo finde ich Ruhe?" Ein kontemplativ-poetischer Text der Schriftstellerin Taiye Selasi begleitet, aus dem Off eingesprochen, immer wieder das Geschehen und hebt es auf eine allgemeine Ebene. Zugleich drückt dieser Kommentar den emotionalen Aufruhr aus, den diese Entwurzelten erleben, die in der Außenwelt auf Barrieren aller Art stoßen und im Inneren auf die Angst, nicht dazuzugehören. Hintergrundinformationen zur Situation in Syrien, Myanmar, Südsudan und den anderen Orten werden mit eingeblendeten Texten geliefert. Der ständige episodische Wechsel von einer Geschichte zur anderen hält die Spannung hoch, während sich das Verständnis für das Lebensgefühl der Porträtierten schrittweise vertieft. "Exodus – Der weite Weg" ist zugleich philosophisch und konkret, ein besinnlicher Film, der Flüchtlinge als Individuen ernst nimmt.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Hank Levine begreift Flucht und Migration als globales Phänomen und interessiert sich dafür, wie ganz unterschiedliche Menschen, die ihr Zuhause oder ihr Land verlassen mussten, ihr Leben neu ordnen. Levine stellt das Erleben der Flüchtlinge, die er porträtiert, in den Mittelpunkt und blickt aus dieser subjektiven Perspektive zurück auf eine Welt voller Barrieren und Unsicherheiten. Diese persönliche Nähe erlaubt es den Zuschauern, nachzuvollziehen, unter welchem Druck Menschen stehen, die in der Fremde von vorne anfangen, und zu sehen, wie viel Kraft und Hoffnung sie dafür aufbringen.




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Land: Deutschland
Jahr: 2017
Genre: Dokumentarspiel
Länge: 105 Minuten
Kinostart: 29.03.2018
Regie: Hank Levine
Darsteller: Wagner Moura, Jule Böwe
Verleih: Real Fiction

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