VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Exodus (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Dokumentarfilm von Hank Levine betrachtet Flucht und Migration als ein globales Phänomen. Weltweit verlassen Menschen ihre Heimat und suchen einen neuen Ort, an dem sie dauerhaft oder vorübergehend leben wollen. In der Fremde sind sie hin- und hergerissen zwischen Heimweh und dem Wunsch, ihre Zukunft selbstbestimmt zu gestalten. Die verschiedenen Menschen, die dieser Film porträtiert, befinden sich auf einer Odyssee, sind noch lange nicht angekommen, sobald sie ein Dach über dem Kopf haben.

Manche der Porträtierten sind aufgebrochen, um sich ein neues Leben aufzubauen. Andere, wie Tarcha vom Volk der Sahrauis, warten ein Leben lang nur auf die Rückkehr in die Heimat. Der Film versucht nicht, all diese unterschiedlichen Menschen über einen Kamm zu scheren, sondern interessiert sich für ihre spezifische Lage, ihre individuellen Sehnsüchte und Ansichten. Die Heimat zu verlassen, sie verlassen zu müssen, bedeutet einen ungeheuren Bruch in der Biografie. Die Bauern aus Kachin-Staat müssen sich in den Lagern oder in deren Umgebung eine Arbeit suchen, während ihre Häuser in idyllisch anmutender Landschaft leerstehen. Die Muslimin Dana schätzt ihr Leben in Sao Paolo, die Freiheiten, die sie als junge Frau hat. Aber sie ist einsam unter vielen Menschen und meint, mit ihrem Kopftuch als Fremde aufzufallen. Napuli wollte in Deutschland gar keinen Asylantrag stellen, sondern studieren, und versteht nicht, warum man ihr das nicht erlaubte.

"Krieg hinter mir, Mauern vor mir, wo finde ich Ruhe?" Ein kontemplativ-poetischer Text der Schriftstellerin Taiye Selasi begleitet, aus dem Off eingesprochen, immer wieder das Geschehen und hebt es auf eine allgemeine Ebene. Zugleich drückt dieser Kommentar den emotionalen Aufruhr aus, den diese Entwurzelten erleben, die in der Außenwelt auf Barrieren aller Art stoßen und im Inneren auf die Angst, nicht dazuzugehören. Hintergrundinformationen zur Situation in Syrien, Myanmar, Südsudan und den anderen Orten werden mit eingeblendeten Texten geliefert. Der ständige episodische Wechsel von einer Geschichte zur anderen hält die Spannung hoch, während sich das Verständnis für das Lebensgefühl der Porträtierten schrittweise vertieft. "Exodus – Der weite Weg" ist zugleich philosophisch und konkret, ein besinnlicher Film, der Flüchtlinge als Individuen ernst nimmt.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Hank Levine begreift Flucht und Migration als globales Phänomen und interessiert sich dafür, wie ganz unterschiedliche Menschen, die ihr Zuhause oder ihr Land verlassen mussten, ihr Leben neu ordnen. Levine stellt das Erleben der Flüchtlinge, die er porträtiert, in den Mittelpunkt und blickt aus dieser subjektiven Perspektive zurück auf eine Welt voller Barrieren und Unsicherheiten. Diese persönliche Nähe erlaubt es den Zuschauern, nachzuvollziehen, unter welchem Druck Menschen stehen, die in der Fremde von vorne anfangen, und zu sehen, wie viel Kraft und Hoffnung sie dafür aufbringen.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.