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Shut Up and Play the Piano (2018)

Dokumentarfilm über den Pianisten und Entertainer Chilly Gonzales.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.1 / 5

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Der 1972 geborene Kanadier Jason Beck ist besser unter seinem Künstlernamen Chilly Gonzales bekannt. Der exzentrische Elektropop- und Rap-Musiker zieht wie so viele Künstler Ende der 1990er Jahre nach Berlin, wo er gemeinsam mit der Musikerin Peaches auftritt. Die beiden verbinden Musik mit spielerisch-theaterhafter Performance. Gonzales, der die laute, um Aufmerksamkeit buhlende Show liebt, komponiert auch für andere Musiker. Immer wieder kehrt er zum Klavierspiel zurück, an das ihn in der Kindheit der Großvater heranführte. Er veröffentlicht zwei Alben mit Klaviermusik.

Nach Jahren in Paris lässt sich Gonzales in Köln nieder. Auf die eher sanfte Klavierphase folgt wieder frecheres Entertainment. Gonzales tritt als Klavierspieler und Spaßmacher zusammen mit klassischen Orchestern auf und unterhält das Publikum mit einem Stilmix, der frischen Wind in das altehrwürdige Genre der Klassik bringt.

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Shut Up and Play the PianoShut Up and Play the Piano - Director Philipp JedickeShut Up and Play the PianoShut Up and Play the Piano


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Im künstlerischen Leben des Musikers Chilly Gonzales scheint es zwei Konstanten zu geben: die Provokation und den Wandel. Seine schillernde, expressive Persönlichkeit drückt auch diesem dokumentarischen Filmporträt ihren Stempel auf. Der Debütregisseur Philipp Jedicke nähert sich den vielen Facetten des Musikers und Performers, der das Spiel mit dem eigenen Image liebt, mit einer bunten Mischung filmischer Mittel. Der Künstler stellte die Bedingung, nicht im privaten Bereich gefilmt zu werden. Aber wenn er über die im Elternhaus erfahrene Prägung spricht, verrät er Aufschlussreiches über seine Persönlichkeit und seinen künstlerischen Antrieb.

Wenn KünstlerInnen wie Peaches, Leslie Feist und andere im Film über "Gonzo" - so lautet der Spitzname von Gonzales – sprechen, dann erwähnen sie gerne, wie inspirierend die Zusammenarbeit mit ihm war. Dank des reichen Archivmaterials unternimmt der Film auch einen Ausflug in das wiedervereinigte Berlin der Jahrtausendwende, in dem Gonzales und andere Künstler aus aller Welt mit Neuem experimentierten. Vielleicht stammt die Lust am ironischen Spiel mit den Konventionen, die Gonzales auch später hegt, aus dieser Zeit. So trägt er beim Klavierspiel auf der Bühne gerne Bademantel und Pantoffeln. Seine humorvollen Raps, die spontan wirkenden Performance-Ideen und natürlich auch sein Klavierspiel bezeugen, wie kreativ der Mann ist. Er muss stets etwas ausprobieren, und sei es, mit dem renommierten Radio-Symphonieorchester Wien aufzutreten und die klassische Musik, aber auch das klassische Konzerterlebnis gehörig aufzumischen.

Als Klammer dient dem Film ein Interview, das Gonzales mit der Schriftstellerin Sibylle Berg führt. Dass er von seinem Vater das Streben nach Erfolg eingeimpft bekam, betrachtet der Musiker mit gemischten Gefühlen. Mit viel Selbstironie kommentiert er, auch auf der Bühne, seinen Hang zur Egozentrik. In kurzen Spielszenen veranstaltet der Film gar ein Casting für die Rolle des Chilly Gonzales. Die Maskerade mit dem eigenen Image gehört zu diesem Künstler, der als Privatmensch nicht an die Öffentlichkeit drängt. Das Beste an diesem reichhaltigen Film sind die vielen Szenen, in denen Gonzales auf der Bühne steht. Denn dann erlebt man die Energie, die er freisetzt, wenn er für Überraschungen sorgt und scheinbar Unvereinbares zusammenbringt.

Fazit: Der Dokumentarfilm, mit dem Philipp Jedicke sein Regiedebüt gibt, liefert ein mitreißendes Porträt des exzentrischen Klavierspielers, Rappers und Entertainers Chilly Gonzales. Es stellt die Ausdruckskraft, Energie und Wandlungsfähigkeit des Künstlers mit einer Fülle von Archivaufnahmen unter Beweis. Gonzales spricht über seine künstlerischen Interessen, seine familiäre Prägung, jedoch nicht über sein Privatleben. Spielszenen und Statements von Weggefährten runden das Bild eines experimentierfreudigen Performers ab, der gerne Spaß macht, aber gelegentlich auch nur das Klavier sprechen lässt.




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Land: Deutschland, Frankreich, Großbritannien
Jahr: 2018
Genre: Dokumentation
Länge: 81 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 20.09.2018
Regie: Philipp Jedicke
Darsteller: Gonzales, Daft Punk, Jarvis Cocker
Verleih: Rapid Eye Movies

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