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Verachtung
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Kritik: Verachtung (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Verachtung" beruht auf dem Roman "Journal 64" des dänischen Erfolgsautors Jussi Adler-Olsen. Die vierte Ausgabe der Carl-Mørck-Dezernat-Q-Reihe wurde 2011 in Dänemark veröffentlicht, knapp ein Jahr später auch in Deutschland. Wie schon die ersten drei Teile, die im deutschen TV ein Millionenpublikum erreichten, wurde auch "Verachtung" vom ZDF mitproduziert. Seine Deutschlandpremiere erlebte der Film im Herbst 2018 auf dem Filmfest Hamburg.

Von Beginn an entwickeln dieser besonders Grauen erregende Fall und die mit ihm einhergehenden Ermittlungen einen außergewöhnlichen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Regisseur Christoffer Boe die filmische Gegenwartshandlung immer wieder mit geschickt eingewobenen Flashbacks ins Jahr 1961 unterbricht. In jene Zeit, in der auf Sprogø - die Anstalt es von 1923 bis 1961 tatsächlich - jungen Frauen noch immer Grausames angetan wurde. Wenig später wurde die Einrichtung geschlossen.

Durch jene Verquickung von Vergangenheit und Gegenwart hält Boe die Spannung kontinuierlich aufrecht. Zudem ist lange Zeit nicht klar, wer tatsächlich hinter den bestialischen Taten steckt. Zwar blendet Boe schon frühzeitig im Film immer wieder das Gesicht einer älteren Dame ein, und es ist offensichtlich, dass diese Figur direkt mit den Vorfällen - ob als Täterin, Hinterbliebene, Zeugin oder frühere Patientin auf Sprogø - in Verbindung steht. Am Ende aber kommen die wahren Hintergründe und Offenbarungen für den Zuschauer dann doch weitestgehend überraschend. Wenig überraschend, sondern auf bewährt hohem Niveau präsentiert sich das Spiel der beiden Hauptdarsteller Fares und Kaas. Die Unterschiedlichkeit und ambivalenten Persönlichkeitszüge der beiden Ermittler machen seit jeher einen großen Reiz der Reihe aus.

Schade ist, dass sich die Macher für ein letztlich allzu versöhnliches, verkitschtes Ende entschieden haben. Wenn sogar dem beinharten Ermittler Mørck die Tränen kommen, liegt der Verdacht einiger zu rührseliger, emotionalisierender Momente nah. Und genauso verhält es sich in den letzten zehn Minuten. Weiterhin stellt sich die Frage, wieso ein Film wie "Verachtung" unbedingt auf die große Leinwand gehört. Er ist solide inszeniert, zweifelsfrei, aber ihm fehlen die optischen, visuellen A-ha-Momente, die eine Kinoauswertung rechtfertigen würden.

Fazit: "Verachtung" ist ein harter, spannender Krimi mit einem großartigen Ermittler-Duo, dem jedoch die letzte Konsequenz fehlt und der – gerade am Ende – auf zu viel Emotion setzt. Aufgrund fehlender optischer Brillanz wäre er im sonntäglichen Abendprogramm eines öffentlich-rechtlichen Senders vermutlich besser aufgehoben.




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