VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Bauhaus 100 (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Dokumentarfilm von Niels Bobrinker und Thomas Tielsch kehrt zurück zur kurzen Blütezeit des legendären Bauhaus in Dessau und fragt zugleich nach dessen Auswirkungen auf die moderne Architektur. So entsteht aus Anlass des 100. Jahrestags der Gründung dieser avantgardistischen Kunstschule, der 2019 bevorsteht, eine spannende Würdigung ihrer zentralen Ideen und ihrer Strahlkraft.

Um die Geschichte des Bauhaus zu erzählen, greifen die Filmemacher nicht nur auf Archivmaterial zurück. Sie lassen vielmehr auch Architekten und andere Künstler der heutigen Zeit erklären und vorführen, wie am Bauhaus gelehrt und experimentiert wurde. So bekommt man beispielsweise von einem Choreografen vorgeführt, wie menschliche Bewegungen geometrische Formen in den Raum zeichnen. Animierte Skizzen unterstützen solche Demonstrationen der für das Bauhaus typischen Verzahnung verschiedener Künste. Sehr anschaulich ist auch die Vorführung des Designs flexibel erweiterbarer Wohnhäuser, das die Studenten mit Holzklötzen zum Übereinanderstapeln und kreativen Kombinieren üben konnten.

Das Bauhaus wird auch als Pate für die Hochhausarchitektur der modernen Großstädte gesehen, für ihre Nüchternheit und Effizienz. Erschwingliche Wohnungen für die Massen zu bauen, war auch die Idee, die zur Entstehung der Berliner Gropiusstadt und anderer Trabantenstädte führte, einer aus heutiger Sicht nicht mehr erstrebenswerten Ansammlung riesiger, anonymer Blocks. Aber der soziale Gedanke einer Architektur, die die Lebensbedingungen der Menschen verbessern wollte, inspiriert Vertreter der heutigen Generation auf andere Weise. Im Film erklären beispielsweise zwei in Zürich lehrende Professoren die Arbeit ihres Planungskollektivs "Urban-Think Tank". In den Favelas von Caracas und anderer südamerikanischer Städte entwickelt es Sportstätten, aber auch bahnbrechende Verkehrskonzepte mit Rolltreppen und Seilbahnen.

Aufgrund seines epochenübergreifenden Ansatzes und der Fülle der angeschnittenen Themen ist dieser Film nicht nur interessant, sondern auch anspruchsvoll. Er bietet spannende Einblicke in die Philosophie und Architektur des Bauhaus und regt dazu an, sich mehr mit dieser komplexen Kunstströmung zu befassen.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Niels Bobrinker und Thomas Tielsch würdigt aus Anlass des 100-jährigen Gründungsjubiläums, das 2019 bevorsteht, das Bauhaus und seine für die Architektur der Moderne wegweisende Kunst. Indem er sich nicht nur auf den historischen Rückblick beschränkt, sondern auch Einflüsse auf die heutige Architektur und Stadtplanung aufspürt, gelingt dem Film ein interessanter Brückenschlag zwischen den Epochen. Er führt dabei vor Augen, dass der soziale Gedanke der Bauhaus-Architektur immer noch zukunftsweisend ist.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.