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The King - Mit Elvis durch Amerika
The King - Mit Elvis durch Amerika
© Arsenal

Kritik: The King - Mit Elvis durch Amerika (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Idee dieses Dokumentarfilms von Eugene Jarecki klingt verlockend. Im Rolls Royce des 1977 verstorbenen King of Rock‘n‘Roll, Elvis Presley, fährt der Filmemacher durch Amerika und spricht mit Künstlern und Autoren, die er unterwegs einsteigen lässt. Das zentrale Thema ist der amerikanische Traum und was aus ihm wurde – im Leben von Elvis und in der Gesellschaft des Jahres 2016. Das Land befindet sich gerade an einem besonders kritischen Punkt seiner Entwicklung, nämlich dem Präsidentschaftswahlkampf, den Donald Trump gewinnen wird.

Zu den Gästen, die unterwegs in den Rolls Royce steigen, gehören die Schauspieler Alec Baldwin und Ethan Hawke, die Countryband "Emi Sunshine and the Rain", deren Sängerin aufgrund ihres jungen Alters an den Film "Little Miss Sunshine" erinnert, die Rapper Chuck D und Immortal Technique. Jarecki sammelt keineswegs nur Aussagen, die Elvis huldigen, obwohl kaum jemand seinen immensen musikalischen Einfluss infrage stellt. Ein besonders spannendes Diskussionsthema kreist um die Fragen, ob sich Elvis die Musik der Afroamerikaner einfach angeeignet habe, ohne etwas zurückzugeben. Oder ob er durch eigene Interpretationen von Bluessongs nicht vielmehr dazu beigetragen habe, dass sich die weiße Gesellschaft für afroamerikanische Kultur zu interessieren begann. Diese Diskussion hätte mehr Raum verdient, aber weil der Film ein Roadmovie ist, sind seine Eindrücke impressionistisch, flüchtig, vielfältig.

Immer wieder wechselt Jarecki die Betrachtungsebenen sprunghaft, kommt beispielsweise von Elvis‘ Militärdienst zur Frage, warum er sich nicht in der Protestbewegung der 1960er Jahre engagierte und von dort zum Irakkrieg jüngerer Tage. Er lässt seine Gesprächspartner darüber nachdenken, inwiefern Elvis unter dem Einfluss seines Managers Colonel Tom Parker den Verlockungen des Geldes erlag und außerdem den TV-Journalisten Dan Rather über New York als "das Epizentrum des Kapitalismus" sprechen.

Die Parallelen zwischen Elvis‘ Leben und dem heutigen Zustand der amerikanischen Gesellschaft erweisen sich als wenig zwingend, überall fehlt es an Vertiefung. Aber auch wenn sie nur vage Thesen bleiben, wirken sie anregend, wie die ganze Vielfalt des Archivmaterials, der Musik von damals und von heute, der Reiseeindrücke, Landschaftsbilder und eingefangenen Stimmen.

Fazit: Das dokumentarische Roadmovie von Eugene Jarecki begibt sich im Amerika des Jahres 2016 auf eine zweifache Spurensuche nach dem amerikanischen Traum. Wie hat ihn der 1977 verstorbene King of Rock‘n‘Roll, Elvis Presley, gelebt und sich dabei selbst verändert, wie geht es der Gesellschaft, in der sich Donald Trump gerade anschickt, ihr neuer Präsident zu werden? Die impressionistische Vielfalt der Reisebilder, die bunte Schar der Künstler, die unterwegs in Elvis‘ alten Rolls Royce steigen, die verschiedenen Musikstücke regen Geist und Sinne an. Der Vergleich zwischen dem Star von damals und der Gesellschaft von heute bleibt jedoch thesenhaft und vage.




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