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Kritik: Die Augen des Weges (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Erwartungshaltung an ein Werk ist groß, wenn es als "visuelles Gedicht" beworben wird. Die versprochenen lyrischen Qualitäten hat Rodrigo Otero Herauds Langfilmdebüt durchaus. Zum einen liegen sie in den atemberaubenden Landschaften, die Herauds Protagonist Hipólito Peralta Ccama auf seiner Reise durchwandert, vor allem aber in den Worten, die der spirituelle Meister wiederholt wie kleine Gedichte an die Natur richtet. Die ganz große Poesie bietet "Die Augen des Weges" letztlich aber nicht.

Die Kernaussage dieses Dokumentarfilms mit experimentellen Zügen ist simpel. Wie seiner Hauptfigur, deren Ansichten er sich zu eigen macht, geht es ihm um einen Erhalt der Traditionen, um ein Leben in Einklang mit der Natur, um den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen und um die (reinen) Herzen der Menschen. Hipólito Peralta Ccama dient als Mittler, der die Gedankenwelt, den Glauben, die Rituale und Traditionen der Bergvölker für das Publikum verständlich macht, während er hinauf in höchste Höhen und bis ans Meer wieder hinabsteigt.

Genau hier, immer dann, wenn der spirituelle Meister auf andere Menschen trifft, hat "Die Augen des Weges" seine stärksten Momente. Denn dann wird all die Theorie Praxis, wird Hipólitos doch manchmal arg salbungsvolles Gerede anschaulich. Die Begegnung mit anderen rettet den Film schließlich auch vor der Langeweile. Ein einsamer Meister allein hätte die kompakte Laufzeit selbst angesichts der beeindruckenden Landschaft nicht getragen. Dafür wiederholen sich seine Weisheiten allzu schnell und ähneln anderen Naturphilosophien zu sehr. Und dafür bietet "Die Augen des Weges" auch formal zu wenig Veränderung. Ein paar nette Wechsel zwischen Farbe und Schwarz-Weiß und in der Musik machen noch kein gelungenes "visuelles Gedicht".

Fazit: Rodrigo Otero Heraud bietet in seinem Langfilmdebüt einen faszinierenden Einblick in die Tradition der Andenvölker Perus. Neben atemberaubenden Landschaftsaufnahmen lebt sein Dokumentarfilm mit experimentellen Einsprengseln vor allem von den Begegnungen der Hauptfigur mit anderen Menschen. Von einem "visuellen Gedicht" ist "Die Augen des Weges" allerdings ein gutes Stück entfernt.




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