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Belleville Cop
Belleville Cop
© Constantin Film

Kritik: Belleville Cop (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Für leichte Unterhaltung war Rachid Bouchareb bislang nicht bekannt, dabei ist sein allererster Kinofilm "Bâton Rouge" (1985) eine Komödie. Seither realisierte der 1959 in Paris geborene Regisseur, Drehbuchautor und Produzent vornehmlich Dramen, meist mit einem Bezug zu Afrika, im Speziellen zu Algerien, in dem seine Wurzeln liegen. Mit "Belleville Cop" erfüllt er sich den lang gehegten Traum eines Buddy-Movies. Wie in Boucharebs Kinodebüt schwärmt auch der Protagonist seines jüngsten Films für Amerika und dessen (Pop-)Kultur.

Sebastian Bouchard (Omar Sy), den alle nur "Baaba Keita" nennen, kennt US-amerikanische Polizeifilme in- un auswendig. Als er seine Ermittlungen in Miami antritt, legt er im Büro der französischen Konsulin (Julie Ferrier) eine kleine Show hin, zitiert "Lethal Weapon" (1987) und "Dirty Harry" (1971). Der Filmtitel und das lose Mundwerk der Hauptfigur erinnern an Eddie Murphy in dessen Paraderolle als "Beverly Hills Cop" (1984). Beim Schreiben seiner Geschichte hatte Bouchareb wiederum einen anderen Klassiker des Subgenres mit Murphy im Kopf, Walter Hills "Nur 48 Stunden" (1982), und holte sich bei einem der damaligen Drehbuchautoren, Larry Gross, Rat. Doch die Nachhilfe hat nicht gefruchtet.

Boucharebs Handlung ist noch einigermaßen rund. Das Ende greift den Anfang gekonnt auf. Auch die Ermittlungen verlaufen zumeist schlüssig. Dazwischen gähnt erzählerischer Leerlauf. Wo in den zitierten Vorbildern jede Aktion eine Reaktion hervorruft, die die Geschichte dynamisch vorantreibt, nimmt "Belleville Cop" zu viele unnötige Abzweigungen, die zu nichts führen. Das größte Manko ist jedoch die wenig überzeugende Figurenzeichnung. Einerseits wirkt Luis Guzmáns peinlich penibler Detective Ricardo Garcia angesichts seiner knallharten Kollegen von der Streifenpolizei keinen Deut glaubwürdig. Andererseits sind weder Keita noch Garcia in sich konsistente Charaktere. Wiederholt wirken sie von einer Szene zur nächsten wie ausgewechselt, weil ihr Verhalten von Bauernschläue in Naivität umschlägt und umgekehrt. Nur eines von vielen Puzzlestücken, die nicht passen.

Trotz zweier vielversprechender Hauptdarsteller stellt sich keine Buddy-Movie-Atmosphäre ein. So gegensätzlich das Paar des muskulösen Plappermauls und des untersetzten Korinthenkackers auf dem Papier auch angelegt ist, die Umsetzung geht gewaltig schief. Sy und Guzmán spielen aneinander vorbei, anstatt miteinander. Die Chemie zwischen den beiden muss man ebenso unter dem Mikroskop suchen wie Tempo und Timing bei Komik und Action. Die Dialoge sind fade, körperliche Auseinandersetzungen schlecht choreografiert und hektisch geschnitten. Zu allen Überfluss zeichnet der Film ein mehr als klischiertes Bild eines (fiktiven) afrikanischen Staats. Damit reicht "Belleville Cop" weder an seine Vorbilder heran noch dekonstruiert der Film diese ironisch. Ein ziemlich missglückter Ausflug ins komische Fach.

Fazit: Rachid Boucharebs Ausflug ins komische Fach geht gehörig daneben. "Belleville Cop" ist ein Buddy-Movie ohne Witz, Tempo und Timing mit zwei vielversprechenden Hauptdarstellern, die allerdings völlig aneinander vorbei spielen.




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