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Draußen (2018)

Draussen

Leben trifft Kunst: Mischung aus Dokumentarfilm und Installation über vier Menschen ohne Dach über dem Kopf.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2.0 / 5

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Elvis, der seinen Spitznamen wegen seiner Liebe zum King of Rock 'n' Roll trägt, lebt unter einer Brücke. Sergio und Peter schlafen in einem Zelt am Rand eines Parks. Der eine kommt aus Kasachstan, der andere war mal Karnevalsprinz. Matze ist quer durch Deutschland unterwegs, übernachtet auf Wiesen, in Büschen und Wäldern. Auf Facebook postet er Zeichnungen von Vögeln - ein letzter Kontakt zu seiner Familie.

Tama Tobias-Macht und Johanna Sunder-Plassmann haben die vier Männer ohne feste Bleibe vor die Kamera gebeten. Sie zeigen deren Schlafplätze in und um Köln und ihren bescheidenen Besitz. Nach und nach öffnen sich die Männer und erzählen aus ihren bewegten Leben.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Wann haben Sie einem Obdachlosen das letzte Mal in die Augen geschaut? In den Innenstädten gehen wir oft achtlos an ihnen vorüber. Dabei lohnt sich ein Blick. Elvis' und Peters kernige, wettergegerbten Gesichter, Sergios funkelnde Augen, Matzes spitzbübisches Lächeln erzählen Lebensgeschichten. Richtig in Szene gesetzt könnten die vier Männer glatt als Models durchgehen, für Tabak oder Eau de Toilette, für Motorräder oder Mode werben. In "draußen" beweisen sie vielfältige Talente.

Tama Tobias-Macht und Johanna Sunder-Plassmann haben genau hingesehen. Ihre Mischung aus Dokumentarfilm und Kunstinstallation überzeugt durch ein schlichtes, streng reduziertes Konzept. Kein Off-Kommentar erklärt das Offensichtliche. Keine Einblendung verstellt den Blick. Keine Musik überhöht die Emotionen. Die Regisseurinnen sind ganz bei den Porträtierten. Sie machen das, wofür den hektischen Passanten in den Fußgängerzonen keine Zeit bleibt: Sie hören zu.

Im Anschluss daran erschaffen die Filmemacherinnen für eine Nacht einen künstlichen, musealen Raum. Sie stellen das in den Gesprächen Erfahrene mit den Gesprächspartnern und ihren wenigen Besitztümern in einen Zusammenhang. Für die vier Männer besitzt ein Kleidungsstück, ein Foto oder ein Buch, mit dem sie Erinnerungen verbinden, weitaus mehr Wert als Geld oder Schmuck. Dabei bleiben Tobias-Macht und Sunder-Plassmann stets an und in der Nähe der Schlafplätze. Wo sich die Männer tagsüber aufhalten oder wie sie sich ihren Lebensunterhalt beschaffen, zeigt "draußen" nicht.

Elvis', Peters, Sergios und Matzes Geschichten berühren. Sie ähneln einander und so vielen anderen Obdachlosen-Viten: schwierige Familienverhältnisse, schwere Schicksalsschläge, teils Drogen, Beschaffungskriminalität. Elvis achtet penibel auf Sauberkeit und Ordnung, die man ihm im Kinderheim eingetrichtert hat. Matze lebt in und von der Natur und damit ökologischer als die meisten. Peter hat drei Kinder, Sergio Eltern, bei denen er wohnen könnte. Als erwachsener Mann käme er sich dabei lächerlich vor.

Auch darum geht es in "draußen". Die vier Porträtierten reflektieren nicht nur, an welcher Stelle sie von einer bürgerlichen Existenz abgebogen sind, sondern warum eine Rückkehr dorthin für sie nicht mehr infrage kommt. Trotz widriger Umstände auf dem Weg in die Obdachlosigkeit bleibt das Leben auf der Straße, nicht zuletzt, um sich ihre Würde zu bewahren, ihre freie Entscheidung.

Fazit: "draußen" ist eine ungewöhnliche Mischung aus Dokumentarfilm und Kunstinstallation. Die Regisseurinnen Tama Tobias-Macht und Johanna Sunder-Plassmann richten ihren Blick vorurteilsfrei auf vier Kölner Obdachlose. Dabei legen sie eine Problematik frei, über die unsere Gesellschaft allzu gern hinwegsieht.




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Land: Deutschland
Jahr: 2018
Genre: Dokumentation
Länge: 80 Minuten
Kinostart: 30.08.2018
Regie: Johanna Sunder-Plassman, Tama Tobias-Macht
Verleih: Real Fiction

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