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Zentralflughafen THF (2018)

THF: Central Airport

Dokumentarfilm: Die Geflüchteten in den Notunterkünften im ehemaligen Berliner Flughafen Tempelhof hoffen darauf, endlich wirklich in diesem Land anzukommen.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Die Eröffnung des Berliner Flughafens Tempelhof fand im Jahre 1923 statt. In der NS-Zeit wurde das Gebäude ausgestaltet und so zu einem Symbol der nationalsozialistischen Selbstdarstellung. Im Jahre 2008 wurde der Flughafen geschlossen; das Bauwerk steht unter Denkmalschutz. Einige Hangars des Gebäudes werden inzwischen als Notunterkünfte genutzt; mehr als 2000 Geflüchtete halten sich hier auf und warten darauf, in Deutschland ankommen zu können.

Zu diesen Menschen zählt etwa der 18-jährige Syrer Ibrahim, der sein Heimatdorf und seine Familie verlassen musste. Ibrahim wird – ebenso wie der irakische Mediziner Qutaiba, der seine Sprach- und Fachkenntnisse unterstützend zur Verfügung stellt – ein Jahr lang mit der Kamera begleitet. Ferner werden unter anderem die Verwaltungstätigkeiten und die Überwachung des Gebäudes gezeigt.

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In seiner dokumentarischen Arbeit "Zentralflughafen THF" zeigt der brasilianisch-algerische Regisseur Karim Aïnouz, wie es Geflüchteten auf dem teilweise als Notunterkunft genutzten Flughafen Tempelhof in Berlin im Laufe eines Jahres ergeht. Um das Verstreichen der Zeit für uns als Publikum begreiflich zu machen, werden die Monate eingeblendet. Die Menschen, die hier gestrandet sind, müssen in erster Linie warten – auf eine Überwindung der vielen bürokratischen Hürden und Barrieren und somit auf die tatsächliche Ankunft in Deutschland.

Aïnouz und sein Kameramann Juan Sarmiento G. erfassen den denkmalgeschützten Ort oft in Totalen, auch Luftaufnahmen kommen zum Einsatz; dennoch entsteht in "Zentralflughafen THF" nach einem Einstieg, in welchem wir das Gebäude im Rahmen einer betont distanziert gefilmten touristischen Führung kennenlernen, alsbald eine erstaunliche Nähe. Via voice-over erzählt etwa der aus Syrien stammende Ibrahim vom Zusammensein mit seiner Familie in seinem Heimatdorf; wir sehen, wie er Zeit mit anderen jungen Männern, die ebenfalls auf ein Voran- und Ankommen warten, verbringt. Rasch wird deutlich, dass die Unterkunft kaum Privatsphäre und keinen wirklichen Rückzug zulässt.

Das Werk ist keine nüchtern-sachliche Betrachtung, sondern wirkt lebendig und emotional und lässt ein echtes Interesse an den porträtierten Personen erkennen. Auch die etlichen Schwierigkeiten und Herausforderungen in der Kommunikation sowie das allmähliche Erlernen der deutschen Sprache werden auf sensible Weise eingefangen. Der Film unterstreicht obendrein die leicht surreale Atmosphäre des einstigen Flughafengeländes, indem er gelegentlich auch das Freizeit-Treiben auf dem Tempelhofer Feld – vom Segway-Fahren bis zum entspannten Herumliegen – festhält.

Fazit: Ein Dokumentarfilm, der sich in eindrucksvoll komponierten Bildern und mit großer Empathie dem Dasein von Geflüchteten in einer Phase des Harrens widmet.




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Land: Deutschland, Brasilien, Frankreich
Jahr: 2018
Genre: Dokumentation
Kinostart: 05.07.2018
Regie: Karim Ainouz
Verleih: Piffl Medien

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