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Kritik: Maria by Callas (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit seinem Regie-Debüt "Maria by Callas" liefert der französische Mode- und Reisefotograf Tom Volf einen ungewöhnlichen Dokumentarfilm: Nachdem er durch Interviews mit Personen, die die Opernsängerin Maria Callas (1923-1977) kannten, mehr als 60 Stunden Material gesammelt hatte und überdies auf größere Mengen von Aufnahmen gestoßen war, entschloss er sich neben der Veröffentlichung von Büchern über die Sopranistin zu einem audiovisuellen Porträt, welches Callas' Leben gänzlich subjektiv schildert. So kommt hier ausschließlich Callas selbst zu Wort, um von ihrem Werdegang, von Höhen und Tiefen zu erzählen.

Als Rahmen dient dem Werk ein Fernsehinterview mit David Frost, welches 1970 geführt wurde. Hinzu kommen weitere Interview-Passagen sowie Mitschnitte von Opernaufführungen, die das Talent der Sängerin mit einem Tonumfang von fast drei Oktaven demonstrieren. Via voice-over werden von Callas verfasste Briefe von einer Sprecherin vorgetragen (im Original Fanny Ardant, in der deutschen Synchronfassung Eva Mattes) – etwa an Elvira de Hidalgo, ihre Gesangslehrerin aus Athener Studienzeiten, oder an ihre gute Freundin Grace Kelly, aber auch an ihre große Liebe Aristoteles Onassis. In den geschriebenen Worten wird deutlich, wie sehr Callas darunter litt, dass sich die Presse auf jede Schwäche, die sie zeigte, stürzte und in erster Linie an Skandalen interessiert war. An einer Stelle des Films sehen wir, wie die Sopranistin am Flughafen von Paparazzi bedrängt und über ihr Privat- und Liebesleben ausgefragt wird.

Eindrücklich lässt der Film zwei Seiten seiner Protagonistin erkennen, die sich nur schwer miteinander in Einklang bringen lassen: Callas war zum einen eine emanzipierte Frau voller Eigensinn und Leidenschaft für ihren Beruf, zum anderen jedoch auch ein Mensch mit konservativen Ansichten und einem traditionellen Bild von Geschlechterrollen. Diese Widersprüche werden in "Maria by Callas" nicht aufgelöst – es geht Volf nicht darum, Maria Callas zu analysieren, sondern einer Legende endlich eine eigene Stimme zuzugestehen.

Fazit: Ein filmisches Porträt über die bedeutende Opernsängerin Maria Callas, in welchem diese ihr Leben in ihren eigenen Worten vermittelt. So wird der 1977 verstorbenen Protagonistin ein später Akt der Selbstermächtigung ermöglicht.




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