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SPK Komplex (2018)

Dokumentarfilm über das Sozialistische Patientenkollektiv (SPK) und seine Verbindungen zur Roten Armee Fraktion (RAF).Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Aus Protest über die bestehenden Verhältnisse gründet der Arzt Wolfgang Huber gemeinsam mit 52 Psychiatriepatienten am 12. Februar 1970 in Heidelberg das Sozialistische Patientenkollektiv (SPK). Die antipsychiatrisch ausgerichtete Gruppe kritisiert gängige Behandlungsmethode wie beispielsweise die Elektroschocktherapie. Ihre eigenen Methoden verknüpft das SPK mit politischen Forderungen. Ihr Ziel ist eine klassenlose Gesellschaft, da sie das kapitalistische System als krankmachend begreift.

Neben zahlreichen Anhängern ruft das vor allem Gegner aus Medizin, Hochschulbetrieb und Politik auf den Plan. Als sich der Konflikt zuspitzt, radikalisiert sich das SPK. Einige wechseln zur Roten Armee Fraktion (RAF). Huber, dessen Ehefrau und weitere Mitglieder kommen vor Gericht, und werden zu Haftstrafen verurteilt. Regisseur Gerd Kroske zeichnet die Ereignisse anhand von Zeitzeugenberichten und Archivmaterial nach.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse5 / 5

Bis heute haftet dem Sozialistischen Patientenkollektiv (SPK) ein fragwürdiger Ruf an. Und bis heute gehen die Meinungen über das Ausmaß von dessen Radikalisierung ebenso auseinander wie die, ob das Strafmaß angemessen war, das Gerichte über einige seiner Mitglieder verhängten. Wolfgang Huber, der Gründer des SPK, ist nach dem Ende seiner Haftstrafe abgetaucht. In Gerd Kroskes Dokumentarfilm ist er folglich nur durch Archivaufnahmen vertreten. Aus dem Fluch, dass er den Kronzeugen der damaligen Ereignisse nicht selbst befragen kann, macht der Regisseur einen Segen. Kroskes minutiöse Einkreisung des Sachverhalts ist ein Glanzstück investigativer Recherche und fesselnd wie ein Kriminalroman.

Der Filmemacher nähert sich dem Thema auf mehreren Ebenen. Zunächst sind da die Zeitzeugen, die Kroske aus dem Off hinter Susanne Schüles und Anne Misselwitz' Kameras befragt und die ihr Handeln im Dialog mit Kroske mal mehr, mal weniger kritisch selbst hinterfragen. Dann sind da die unzähligen Dokumente, die der Regisseur gewälzt hat und aus denen er aus dem Off zitiert, während er die Orte der zitierten Ereignisse mal als Archivaufnahme, meist in der Gegenwart noch einmal aufgesucht, ins Bild rückt. Olaf Voigtländer und Stephan Krumbiegel montieren das Ganze zu einem ruhigen, aber beständigen und durchaus ansehnlichen audiovisuellen Fluss. Eine Collage westdeutscher Befindlichkeiten, die bis in die Gegenwart reichen.

"SPK Komplex" fordert sein Publikum aber auch. Wer die Interviewpartner sind, was sie damals taten und heute tun, erschließt sich erst nach und nach aus dem Kontext des Gesagten und Gezeigten. Dass dies so wunderbar funktioniert, liegt zum einen an Gerd Kroskes kluger Gliederung, daran, wie er alles in seinem Film miteinander in einen Dialog treten lässt. Zum anderen beschränkt er sich aufs Wesentliche. Die stattliche Laufzeit von beinahe zwei Stunden ist keine Minute zu lang. Die Aussagen der Interviewpartner sind stets knapp und präzise, was auf einen aufwendigen Ausschlussprozess im Schneideraum schließen lässt.

Die offenen Fragen kann freilich auch Kroske nicht (lückenlos) klären, was sein Film aber auch gar nicht will. "SPK Komplex" leistet den wichtigen Beitrag, ein Schlaglicht auf ein beinahe vergessenes Kapitel Zeitgeschichte zu werfen und an die wertvollen Anfänge des Kollektivs zu erinnern. Dessen These eines krankmachenden Wirtschaftssystems hat bis heute nichts an Relevanz verloren.

Fazit: "SPK Komplex" ist ein aufwendig recherchierter, ruhig erzählter und klug montierter Dokumentarfilm, der ein beinahe vergessenes Kapitel Zeitgeschichte beleuchtet. Gerd Kroskes Auseinandersetzung mit einer auch heute noch zeitgemäßen Idee und ihrer Radikalisierung fordert heraus, fesselt und regt zum Nachdenken an.




FBW-BewertungJurybegründung anzeigen

FBW: wertvoll1961 wurde Wolfgang Huber Medizinalassistent, promovierte 1962 zum Dr. med und wurde im Jahre 1964 Assistenzarzt an der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg. Waren es seine Erkenntnisse an dieser Klinik oder Berichte über den allgemeinen [...mehr]

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Land: Deutschland
Jahr: 2018
Genre: Dokumentation
Länge: 115 Minuten
FSK: 6
Kinostart: 19.04.2018
Regie: Gerd Kroske
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH

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