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Kritik: Layla M. (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die holländische Regisseurin Mijke de Jong schildert in diesem Drama den Prozess einer religiösen Radikalisierung, der aus einer zunächst relativ harmlosen jugendlichen Protesthaltung heraus entsteht. Die Titelheldin ist in Holland geboren und aufgewachsen, trägt als gläubige Muslimin Kopftuch und legt gerade ihr Abitur ab. In Amsterdam würden ihr vermutlich viele Wege in eine selbstbestimmte Zukunft offenstehen. Aber Layla reagiert, anders als ihre Eltern und ihr Bruder, in letzter Zeit ausgesprochen dünnhäutig auf jede Bemerkung, in der sie Diskriminierung und Vorurteile erkennt oder auch nur wittert. Gegen das dauernde Gefühl, wegen der marokkanischen Herkunft der Familie, des islamischen Glaubens und vielleicht auch wegen ihres Kopftuchs in der Gesellschaft nicht voll akzeptiert zu sein, opponiert Layla konsequent.

Damit beginnt eine stufenweise Radikalisierung, die sie von ihren Eltern entfremdet. Als Layla im Niqab beim Essen sitzt, als sie beginnt, der Familie zur Belehrung Koransprüche um die Ohren zu hauen, protestiert ihr Vater vergeblich. Laylas Bezugspersonen stammen auf einmal alle aus dem fundamentalistischen Milieu. Mijke de Jong lässt stets Sympathie für Layla erkennen, die als eine hitzköpfige, impulsive Jugendliche charakterisiert wird. Layla wünscht sich mehr Freiheit, die muslimische Identität zu leben und weniger Anpassung, auch was die Kleidervorschriften in der Gesellschaft angeht. Die Flucht mit ihrem jungen Bräutigam hat den Charakter eines Abenteuers, das in einer romantischen Hotelnacht gipfelt. Aber spätestens im Mittleren Osten erkennt Layla dann, dass ihr Gatte ihre Freiheit einschränken und für sie entscheiden will.

Es sind kleine, beiläufige Szenen, in denen sich das Missverständnis zeigt, dem Layla aufgesessen ist. Als sie beispielsweise freudestrahlend auf einen Gastgeber zugeht, wie um ihn zu umarmen, ignoriert sie der Mann peinlich berührt. Abdel zieht sie nicht mehr ins Vertrauen, macht ihr aber Vorschriften. Die Freiheit und die Akzeptanz, nach denen sich Layla sehnte, sind hier jedenfalls nicht zu finden. Das Drama lebt zu großen Teilen von der raumgreifenden Energie der Hauptdarstellerin Nora El Koussour. Diese bildet eine Brücke über die einzelnen Etappen des Dramas, die sehr exemplarisch und knapp skizziert sind. Es geht dem Film nicht um Lösungen, sondern um Verständnis für das Gefühl jugendlichen Außenseitertums, das einen Menschen auf Abwege leiten kann.

Fazit: In diesem Drama der Regisseurin Mijke de Jong durchläuft eine muslimische Jugendliche in Amsterdam einen Prozess religiöser Radikalisierung, der sie in die Arme gewaltbereiter Islamisten treibt. Was als ein Akt hitzköpfiger Teenager-Rebellion beginnt, entwickelt rasch eine Eigendynamik, die die Titelfigur kaum mehr überblicken und steuern kann. Das lebhafte und charismatische Spiel der Hauptdarstellerin Nora El Koussour schenkt der eher knapp skizzierten Coming-of-Age-Geschichte emotionale Tiefe.




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