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Augenblicke: Gesichter einer Reise
Augenblicke: Gesichter einer Reise
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Augenblicke: Gesichter einer Reise (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Abenteuerlust und Experimentierfreude durchzieht diesen Dokumentarfilm, den Agnès Varda und der Fotograf JR über ihre Frankreichreise gedreht haben. Die legendäre Filmemacherin der französischen Nouvelle Vague und den Streetart-Künstler trennt ein Altersunterschied von 55 Jahren. Aber es verbindet sie die Neugier auf menschliche Begegnungen und die Absicht, sich in die unterwegs vorgefundene Wirklichkeit mit künstlerischen Akzenten einzubringen. So fahren sie mit einem Auto durch die Lande, in dem Porträtfotos wie in einem Studio geschossen und ausgedruckt werden können. Die Gesichter der Fotografierten zieren dann als Plakate Häuser und Wände im öffentlichen Raum. Sie holen Gebäude und Straßen aus der Anonymität heraus und verdeutlichen, dass hier Menschen wohnen, die den Ort mit ihren Geschichten prägen.

Zunächst kommen Varda und JR mit Anwohnern ins Gespräch, dann werden die Fotos gemacht und angebracht, schließlich ergibt sich noch ein lebhafter Dialog mit den Passanten, die stehenbleiben, um die Fotografien zu betrachten. Man erfährt zum Beispiel mit Varda und JR, wie die Bergarbeiter früher lebten und worauf sie immer noch stolz sind. Oft zeigen sich die Menschen vor Ort aufgeschlossen für dieses Kunstprojekt und erzählen bereitwillig von sich. Der Performance-Charakter gibt dieser Reise eine humorvolle, inspirierende Leichtigkeit.

Varda und JR tauschen unter sich ebenfalls Geschichten und Erinnerungen aus. So werden die Gespräche dieser beiden Künstler, die sich anfangs kaum kennen, mit der Zeit persönlicher. Wenn Varda und JR immer wieder in malerischer Umgebung Platz nehmen, um ihre Eindrücke auszutauschen, offenbart das Projekt auch eine strukturierende Dramaturgie. Der große Altersunterschied und auch gelegentliche Meinungsverschiedenheiten bieten wiederholt Anlass zu humorvollem Schlagabtausch. Das ist nicht immer frei von Eitelkeiten, aber Varda hat sich eine jugendliche Frische und Unbekümmertheit im Umgang bewahrt. Ihr Versuch, den Film mit einem Besuch beim Regie-Kollegen Jean-Luc Godard zu krönen, scheitert. Warum diese Episode dennoch Eingang in den Film findet, bleibt rätselhaft. Aber damit fügt sie sich andererseits auch gut in den subjektiven Charakter dieser impressionistischen Reise, die recht unterhaltsam zwischen Relevanz und Anekdote balanciert.

Fazit: Mit Ende 80 unternimmt die Filmregisseurin Agnès Varda mit dem 33-jährigen Fotografen und Streetart-Künstler JR eine Reise durch die französische Provinz. Sie kommen ins Gespräch mit Einheimischen, von denen sich manche für Plakatfotos im öffentlichen Raum porträtieren lassen. Der Performance-Charakter verleiht diesem dokumentarischen Roadmovie der beiden Künstler eine leichte und zugleich anregende Note. Für Vergnügen sorgen auch ihre humorvollen Unterhaltungen über eigene Erinnerungen, Ansichten und Differenzen.




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