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Kritik: Mario (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit seinem neuen Werk "Mario" widmet sich Marcel Gisler ("Rosie", "Electroboy") dem Thema Schwulsein im Profi-Fußball, welches trotz des öffentlichen Coming-outs des ehemaligen deutschen Profi-Fußballspielers Thomas Hitzlsperger oder des Schweizer Profi-Schiedsrichters Pascal Erlachner nach wie vor mit einem gewissen Tabu behaftet ist. Das Drehbuch, das Gisler zusammen mit Thomas Hess sowie unter Mitwirkung von Frederic Moriette verfasst hat, schildert die Liebe des Schweizer Titelhelden zu dem neuen deutschen Mannschaftskollegen Leon beim Berner Sportverein BSC Young Boys – und arbeitet dabei die Konflikte heraus, mit denen die beiden jungen Männer konfrontiert werden.

Der Film macht deutlich, dass Profi-Fußball in erster Linie ein großes Business ist – und dass ein Spieler darin auf seinen Marktwert achten muss, um Erfolg zu haben. Neben Talent geht es um den Eindruck, den Entscheidungsträger, Sponsoren oder Fans von einem Spieler haben. Da im Bereich des Fußballs immer noch äußerst stereotype Männlichkeitsbilder vermittelt werden, bleibt die Liebe zwischen Männern in diesem Kosmos etwas, was zumeist geheim gehalten und geleugnet wird. Der Blick, den Gisler hinter die Kulissen wirft, wirkt realistisch. Er dämonisiert die Profi-Fußball-Welt nicht, demonstriert aber glaubhaft die teilweise latente, teilweise überaus offenkundige Homophobie sowie den emotionalen Druck, dem sich schwule Fußballspieler ausgesetzt sehen. Dabei kommt es weniger zu dramatischen Zuspitzungen; vielmehr ist "Mario" ein Werk, das sich durch genaue Beobachtungen und Subtilität auszeichnet.

Max Hubacher ("Der Verdingbub", "Der Hauptmann"), der für seine Darstellung der Titelfigur ebenso wie seine Kollegin Jessy Moravec (für die Verkörperung von Marios bester Freundin Jenny) mit dem Schweizer Filmpreis prämiert wurde, bringt die Zerrissenheit des ehrgeizigen und zugleich recht introvertierten Protagonisten überzeugend zum Ausdruck. Und auch Hubachers Co-Star Aaron Altaras ("Die Unsichtbaren") beeindruckt in der Rolle des jungen Leon, der die Selbstverleugnung nicht hinnehmen will. Die Gefühle zwischen Mario und Leon werden niemals kitschig, sondern stets glaubhaft und voller Intensität auf die Leinwand gebannt.

Fazit: Ein authentisch in Szene gesetztes und einfühlsam gespieltes Drama über die Liebe zwischen zwei Fußballspielern und die Hindernisse, denen sich die beiden in einem homophoben Umfeld stellen müssen.




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