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Kritik: Tanz ins Leben (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Während in Deutschland und anderswo über das miserable Rollenangebot für ältere Schauspielerinnen und Schauspieler diskutiert wird, nehmen britische Komödien die Generation 50plus schon lange in den Blick. Häufig mit dem Arbeiterfilm vermischt, werfen sie die Figuren in finanziell prekäre Situationen, aus denen nur eine ungewohnte Luftveränderung wieder heraushilft. Mal werden wie in "Grasgeflüster" (2000) Drogen angebaut, mal wird sich wie in "Calender Girls" (2003) ausgezogen oder wie in "Irina Palm" (2007) im Rotlichtmilieu angeheuert. Zuletzt war die Flucht nach Indien ins "Best Exotic Marigold Hotel" (2011 und 2015) die Lösung für zu teure Lebenshaltungskosten auf der Insel. Auch "Tanz ins Leben" steht in dieser Tradition.

Hier ist es die wohlhabende, just durch den Ritterschlag ihres Mannes zur Lady ernannte Sandra Abbott (Imelda Staunton), die vom weitläufigen Landsitz in die beengte Wohnung ihrer Schwester Bif (Celia Imrie) katapultiert wird. Warum sie ausgerechnet bei diesem Freigeist, zu dem sie jahrelang keinen Kontakt mehr hatte, und nicht bei ihrer allem Anschein nach besser gestellten Tochter absteigt, ist eine der vielen kleinen Nachlässigkeiten von Meg Leonards und Nick Moorcrofts Drehbuch. Aber seis drum. Der Fisch muss aus dem Wasser.

In Bifs sozialem Umfeld lernt Sandra nicht nur, endlich wieder zu leben, sondern auch zu lieben. Und sie entdeckt die Musik für sich, die sie in ihrer Ehe so lange vernachlässigt hatte. Das führt zu vielen trockenen Pointen und einigen gelungenen Momenten. Sandra fliegt betrunken aus dem Restaurant, geht mit Bif bei Eiseskälte schwimmen und flieht mit ihrem neuen Schwarm Charlie (Timothy Spall) in dessen Klapperkiste vor dem Abschleppdienst. Ein kleines Tänzchen mit ihm in der Küche ist romantischer als vieles, was der schauspielerische Nachwuchs in seinen Romantic Comedies zustande bringt. Und weil es sich um einen Film über das Alter handelt, dürfen der Tod und mit ihm die traurigen bis herzerwäremenden Szenen natürlich nicht fehlen.

Insgesamt gibt es davon allerdings zu wenige. Das hat man andernorts alles schon einmal besser, vor allem aber dichter inszeniert gesehen. Die Handlung braucht einigen Anlauf. Das Drehbuch nimmt anfänglich einige Figuren in den Blick, die es schnell wieder aus den Augen verliert. Und so gut das Trio Imelda Staunton, Celia Imrie und Timothy Spall auch harmoniert, so charmant-verschroben und lebensnah ihre Charaktere auch sind, es schleicht sich stets das Gefühl ein, dass Richard Loncraines Regie nicht alles aus der Chemie zwischen den Schauspielern herausgeholt hat.

Fazit: "Tanz ins Leben" ist eine Komödie über das Alter, über Abschiede und Neuanfänge in bester britischer Tradition. Die charmant-verschrobenen Charaktere und der trockene Humor entschädigen für eine Handlung, die etwas schwer von der Stelle kommt und die man in anderen Filmen bereits souveräner umgesetzt gesehen hat.




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