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Kritik: The Cleaners (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit ihrem Regie-Debüt "The Cleaners" legen Hans Block und Moritz Riesewieck einen sowohl inhaltlich als auch formal bemerkenswerten Dokumentarfilm vor. Das Duo widmet sich darin jungen Menschen aus Manila, die sich in ihrer Funktion als Content-Moderatoren mit all dem (Bewegt-)Bildmaterial auseinandersetzen müssen, das täglich auf Plattformen wie YouTube, Facebook oder Twitter hochgeladen wird – wozu im schlimmsten Fall Enthauptungsvideos oder (kinder-)pornografische Aufnahmen zählen.

Das Werk macht begreiflich, welche Folgen diese Arbeit haben kann. Da sie Verschwiegenheitserklärungen unterzeichnen müssen, dürfen die Männer und Frauen eigentlich mit niemandem – nicht einmal der eigenen Familie – über ihre Tätigkeit sprechen, was rasch zu einer Entfremdung führen kann. Die ständige Konfrontation mit grausamen Bildern kann zudem eine Abstumpfung bewirken – oder die völlige Verzweiflung, welche gar im Suizid enden kann. Während einer der von Block und Riesewieck Interviewten versucht, die unangenehmen Seiten seines Jobs gänzlich auszublenden und alles Negative, Schockierende in Party-Nächten zu vergessen, versteht eine Kollegin von ihm die Content-Moderation als Aufopferung, um zu verhindern, dass sich "die Sünde in den sozialen Netzwerken ausbreitet."

Neben diesen Einblicken in den Alltag, in die psychische Situation und das Selbstverständnis der Content-Moderatoren, die zum Teil auch nur in schriftlich-anonymer Form, als Chat-Protokolle, stattfinden können, zeigt "The Cleaners" unter anderem Passagen aus gerichtlichen Anhörungen und lässt ehemalige Verantwortliche aus den Silicon-Valley-Konzernen zu Wort kommen. Interessant ist auch, wenn sich eine Künstlerin äußert, deren Karikatur eines nackten Donald Trump gelöscht und sie dadurch gesperrt wurde. In solchen Momenten wird erkennbar, dass die Tätigkeit der Content-Moderatoren nicht nur verhindert, dass eindeutig gefährliche Botschaften und illegale Bilder verbreitet werden, sondern dass sie auch zahlreiche strittige Entscheidungen umfasst. Was muss zensiert werden, was darf sichtbar bleiben? Dass die Verantwortung bei solchen Fragen von YouTube, Facebook, Twitter und weiteren Unternehmen outgesourct wird, ist eine von vielen Schwierigkeiten, auf die Block und Riesewieck aufmerksam machen.

Überdies ist "The Cleaners" in spannungsvollen Aufnahmen umgesetzt: Der Film entstand zum Teil in einer ungenutzten Original-Büroetage in Manila und mutet oft wie ein Neo-Noir-Werk an. Die Kameraarbeit von Max Preiss und Axel Schneppat überzeugt ebenso wie die Tongestaltung.

Fazit: Ein erschütternder Dokumentarfilm, der uns in seiner Darstellung von jungen Menschen, die Internetseiten wie YouTube oder Facebook "sauber" halten sollen, über Verantwortung und Zensur nachdenken lässt.




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