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Kritik: Was uns bindet (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ivette Löckers jüngster Dokumentarfilm ist sehr persönlich. Die Regisseurin porträtiert ihre Eltern und durch die Kommunikation mit ihnen ein Stück weit auch sich selbst. Konsequenterweise beginnt und endet "Was uns bindet" mit der Filmemacherin. Ganz am Anfang liegt sie auf der Massagebank. Immer wenn sie in ihre alte Heimat zurückkehrt, ist sie angespannt. Ganz am Schluss fährt Löcker mit dem Auto davon. Sie scheint gelöst. Ihr Film ist auch ein bisschen Vergangenheitsbewältigung, Familientherapie.

Das Arrangement, das Löckers Eltern getroffen haben, ist das Kuriosum, der außergewöhnliche Aufhänger dieses Films. Seit 20 Jahre leben Mutter und Vater schon getrennt voneinander, allerdings immer noch unter einem Dach. Ihr Umgang miteinander ist hingegen eher gewöhnlich: Diskussionen, Wortgefechte, Streitereien. Der Vater ein beratungsresistenter Sturkopf, die Mutter eine Dulderin seiner Besserwisserei. Still beobachtend arbeitet Löcker das schön heraus.

Hier bietet Ivette Löcker ihrem Publikum eine Andockmöglichkeit. Dieses Verhalten dürften viele Zuschauer ebenso aus eigener Erfahrung kennen wie den Wunsch Löckers und ihrer zwei Schwestern, die Provinz irgendwann hinter sich zu lassen. In der Auseinandersetzung mit den Eltern geht es in "Was uns bindet" auch immer um die eigene Beziehung zur Heimat. Für die Regisseurin bedeutet diese letztlich einen Ort, an den sie zwar gern zurückkehrt, an dem sie aber nicht mehr dauerhaft leben möchte.

Löcker breitet das Zusammenleben ihrer Eltern, das mehr ein aneinander Vorbeileben ist, in aller Ruhe aus. Musik verwendet sie nur als Klammer. Ihre Einstellung sind lang, ihre Fragen, die sie mal hinter, mal vor der Kamera stellt, auf Vermittlung aus. Es wird allerdings schnell klar, dass zwischen Vater und Mutter nichts mehr zu vermitteln ist.

Also zeigt Löcker deren Leben. Sie begleitet ihren Vater beim Ausliefern von Pizza und zur Expo nach Mailand, die er sich mit dem verdienten Geld gönnt. Sie geht die Renovierung eines alten Bauernhauses gemeinsam mit ihm an und fährt mit ihm zum Fasching, wo sie auch die peinlichen Momente nicht ausspart. Ihrer Mutter sieht sie bei der Gartenarbeit und beim Pilzesammeln zu und fährt mit ihr zu ihren slowenischen Wurzeln. Hier hat der Film seine stärksten Momente, weil er intensiv den Verlusten nachspürt, die die Chance auf ein neues Leben mit sich bringen. Das geht dem Rest leider zu häufig ab.

Fazit: "Was uns bindet" ist ein sehr persönlicher Blick auf die eigenen Eltern und das eigene Verhältnis zur Heimat. Regisseurin Ivette Löcker bringt diese Betrachtung sehr ruhig und bedacht auf die Leinwand. Abseits des außergewöhnlichen Arrangements ihrer Eltern bietet ihr Dokumentarfilm allerdings etwas zu viele austauschbare Gemeinplätze.




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