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Farewell Halong (2017)

Verlust der Heimat: Dokumentarfilm über ein Umsiedlungsprojekt der vietnamesischen Regierung.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Familie Nguyn lebt seit Generationen auf dem Wasser. In der Halong-Bucht in Nordvietnam haben sich Cuong, seine Frau Luu, deren Bruder Long und ihre Mutter Mien eine bescheidene, aber zufriedene Existenz in einem schwimmenden Dorf aufgebaut. Ihr Geld verdienen sie mit einem Touristenboot. Um eine Schule besuchen zu können, wohnt Cuongs und Luus Sohn Quy bei Verwandten auf dem Festland. Dorthin will die Regierung, vorgeblich aus Gründen des Umweltschutzes, nun auch das gesamte Dorf umsiedeln.

Regisseur Duc Ngo Ngoc hat Familie Nguyen über mehrere Jahre begleitet, zeigt ihre Hoffnungen und Ängste. Der Umzug verspricht mehr Sicherheit vor stürmischem Wetter und bessere Bildungschancen für die kommende Generation. Doch der Übersiedlung folgt die Rückkehr. Denn das vermeintlich leichtere Leben an Land birgt auch Probleme wie Arbeitslosigkeit, Depression und Alkoholmissbrauch.

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Farewell HalongFarewell Halong


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Selbst im trüben Nieselregen ist die Landschaft wunderschön. Smaragdgrünes Wasser und von Wäldern bedeckte, steil aufragende Kalksteininseln locken unzählige Touristen in die Halong-Bucht in Vietnams Nordosten. Seit 1994 gehört sie zum Welterbe der UNESCO. Regisseur Duc Ngo Ngoc hat die Gegend und einige ihrer Bewohner besucht, die von der Regierung umgesiedelt werden. Sein Dokumentarfilm ist ein Heimatfilm geworden.

Am Beispiel der Familie Nguyen bildet der Filmemacher Aufbrüche und Umbrüche, Hoffnungen und Enttäuschungen, politische und soziale Konflikte und solche zwischen den Generationen ab. Ein Besuch auf dem Festland macht die tiefe Verwurzelung der Familie auf dem Wasser deutlich, wenn Luu Nguyen von der ungewohnten Autofahrt übel wird. "Farewell Halong" wiederum veranschaulicht, welche Chancen, aber auch welche Risiken für die vietnamesische Gesellschaft in der Globalisierung stecken und erinnert damit an andere Dokumentarfilme, etwa an Daan Veldhuizens "Banana Pancakes und der Lonely Planet" (2015).

Ähnlich wie sein niederländischer Kollege nähert sich auch Duc Ngo Ngoc seinen Protagonisten ganz behutsam. Die Kamera ist zwar stets dicht dran, lässt den Familienmitgliedern aber den nötigen Raum, ihre Gedanken und Gefühle in Einzelgesprächen, meist während alltäglicher Arbeiten, zu formulieren. Dabei wahrt der Regisseur die größtmögliche Objektivität. Er ordnet kaum ein, kommentiert nicht, allenfalls an einigen wenigen Stellen durch die Musik. Das verleiht "Fareweill Halong" eine beeindruckende Unmittelbarkeit und Intensität.

Die Geschichten der Familienmitglieder sind melancholisch und zutiefst subjektiv. An vergangene Ereignisse erinnert sich jeder von ihnen anders. Jeder verbindet andere Träume und Ängste mit dem zwangsverordneten Umzug aufs Festland. Die Luftaufnahme am Ende, die ein neues, improvisiertes schwimmendes Dorf zeigt, verströmt hingegen Hoffnung.

Fazit: Am Beispiel einer Familie eines schwimmenden Dorfs in Vietnam dokumentiert Regisseur Duc Ngo Ngoc gesellschaftliche Umbrüche in Zeiten der Globalisierung. Dabei besticht "Farewell Halong" durch seine Nähe und Unmittelbarkeit. Ein außergewöhnlicher dokumentarischer Heimatfilm.




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Land: Deutschland
Jahr: 2017
Genre: Dokumentation
Länge: 98 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 19.04.2018
Regie: Duc Ngo Ngoc
Verleih: 42film

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