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Mein Leben mit James Dean
Mein Leben mit James Dean
© Pro Fun Media

Kritik: Mein Leben mit James Dean (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Vom Film im Film, der Dominique Choisys leichtfüßiger Liebeskomödie ihren Namen gibt, bekommen wir nur wenige Minuten zu sehen. Worum es darin geht, erfahren wir bis zum Schluss nicht. Nachwuchsregisseur Géraud Champreux (Johnny Rasse) beschreibt ihn wiederholt als "un peu spécial", ein bisschen anders. Kuratorin Sylvia van den Rood (Nathalie Richard), die Géraud mit seinem Werk in die Normandie geladen hat, findet es "unklassifizierbar", "radikal" und "berührend". Ein bisschen anders ist dann auch Choisys Film. Etwas mehr Unklassifizierbarkeit, Radikalität oder zumindest Rührung hätte es aber sein dürfen.

"Mein Leben mit James Dean" beginnt verheißungsvoll. Während Géraud im Reisebus schläft, zieht die Welt hinter der Fensterscheibe einfach weiter. Mit einem Film im Gepäck, aber ohne Partner langt er im Küstenörtchen Le Tréport wie ein Gestrandeter an. Die erste Begegnung mit den Einheimischen macht dem Regisseur klipp und klar, dass hier keiner auf ihn und seine künstlerischen Ergüsse gewartet hat. Ob im Kinosaal oder im Hotel, überall scheint Géraud allein. Und die Gespräche, die er führt, steigern sich schnell in irrwitzige Nonsenskaskaden. Diese eingensinnige Grundstimmung aus Leere, Rauheit und Absurdität hält Dominique Choisys Komödie bis zum Ende durch. Aus dem Rest macht er zu wenig.

Letztlich ist "Mein Leben mit James Dean" eine jener französischen Komödien, die abseits der umsatzstarken Schenkelklopfer mit Dany Boon, Kad Merad, Christian Clavier & Co. und dem immer gleichen Wohlfühlkitsch mit all den Mesdames und Messieurs in den deutschen Verleihtiteln ihre eigene Nische gefunden haben. Hier sind die liebevoll-verschrobenen Charaktere eine Nummer bodenständiger, das Budget und Ensemble ein, bis zwei Nummern kleiner und die Wendungen stets etwas unvorhersehbarer.

Im vergangenen Jahr waren mit "Marie et les naufragés" ("Marie und die Schiffbrüchigen") und "Ôtez-moi d'un doute" ("Eine bretonische Liebe") gleich zwei Exemplare in den deutschen Kinos, die nicht nur einen ähnlich klangvollen Titel wie "Mein Leben mit James Dean" haben, sondern ebenfalls an der rauen Atlantikküste spielen. Und auch Choisys Komödie wartet mit vertrackten Figurenkonstellationen, skurrilen Richtungswechseln und charmanten, ja teils originellen Einfälle auf. Was die beiden anderen Vertreter ihr allerdings voraushaben, sind Ensembles, die weitaus besser vor der Kamera miteinander harmonieren, und ein Drehbuch, das seine gelungene Anfangsidee und die Figuren weiterentwickelt.

"Mein Leben mit James Dean" dreht sich hingegen zu schnell im verführerischen Kreis aus kleinen Alltagsabsurditäten und filmhistorischen Querverweisen. Schon manche Namen, wie der des deutschen Schauspielers Ludwig (Tancredi Volpert), sind Anspielungen auf Filme, deren Plakate wiederum irgendwann an einer Wand hängen. Und die außergewöhnliche Verfolgungsjagd, die ganz anders als die in den mehrfach erwähnten US-Actionkrachern abläuft, verliert spätestens bei ihrer Wiederholung ihren Reiz. Damit steht sie exemplarisch für eine Komödie, die voll solcher toller Einfälle ist, darüber aber ihre Figuren vergisst. Diese bleiben bis zuletzt mehr tolle Drehbucheinfälle denn Menschen aus Fleisch und Blut.

Fazit: Dominique Choisys "Mein Leben mit James Dean" ist eine beschwingte Liebeskomödie voll charmant-verschrobener, bodenständiger und durchweg liebenswerter Charaktere. Wer nicht den üblichen Einheitsbrei französischer Wohlfühlkomödien will, ist hier genau richtig. Bei allen tollen Einfällen vergisst Choisy aber ein wenig die Figuren. Ihr Herzschmerz bleibt stets ein wenig aufgesetzt und bis zum Schluss nicht vollends überzeugend.




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