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Kritik: Die Tochter (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Die Tochter" feierte 2017 bei der Berlinale seine Weltpremiere. Der englische Titel des Films lautete dort "Dark Blue Girl", was zunächst irritiert, ist er doch ein gutes Stück vom Original entfernt. Am Ende der etwas mehr als 100 Minuten ergänzen sich die beiden Namen perfekt. Denn in Mascha Schilinskis erstem Langfilm ist Hannahs (Artemis Chalkidou) und Jimmys (Karsten Antonio Mielke) Tochter Luca (Helena Zengel), aus deren Sicht das Drama seinen Lauf nimmt, auch die treibende, mal dunkle, mal traurige Kraft, die dem erneuten Liebesglück der voneinander getrennten Eltern im Wege steht.

Mascha Schilinski bringt dieses kleine, aber feine Familiendrama in einer Mischung aus Realismus und Poesie auf die Leinwand. Die Alltagssituationen, in die ihr Drehbuch seine Figuren wirft und wie die Schauspieler diese meistern, sind dem Leben präzise abgeschaut. Mit Artemis Chalkidou, Karsten Antonio Mielke und Helena Zengel hat die Regisseurin zudem drei unglaublich präsente Charakterköpfe besetzt, wie sie im (deutschen) Kino selten geworden sind.

Diese Wahrhaftigkeit bricht die Regisseurin von Beginn an mit ungewohnten Ansichten. Schon das erste Bild, Wellen, die an einen schwarzen Sandstrand wogen, stiftet kurz Verwirrung, weil es aus der Vogelperspektive gefilmt und nicht sofort einzuordnen ist. In "Die Tochter" spiegelt die Landschaft auch immer das Innere der Figuren. Dann fängt Fabian Gampers Kamera, häufig in leichter Untersicht, die aufragenden Felsformationen wie eine Kathedrale ein und durchmisst schellen Schrittes die engen Gassen der Insel. Dann ist das Pochen von Jimmys gebrochenem Herzen zu sehen oder die schützende Blase, die Luca erst um ihren Vater, ganz am Ende um sich selbst legt.

Diese durchdachte, schöne und ausgefallene Bildsprache kann die erzählerische Schwäche des Dramas nicht ganz verdecken. So stark "Die Tochter" auch beginnt und endet, hängt Schilinskis erster Langfilm nach einer guten Stunde ein wenig zu lang in den Seilen. Mit der Ankunft auf der Insel und deren entspannter Atmosphäre erlahmt auch die Handlung etwas zu sehr.

Fazit: Mit überzeugenden Darstellern und einer Mischung aus Realität und Poesie erzählt "Die Tochter" von den (Un-)Möglichkeiten der Liebe zwischen Eltern und ihren Kindern. Erzählerisch hängt das intime Familiendrama allerdings ein wenig durch.




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