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The Guilty
The Guilty
© Ascot Elite Filmverleih GmbH

Kritik: The Guilty (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Gustav Möllers Langfilmdebüt ist simpel und komplex, risikoarm und risikoreich zugleich. Der Entschluss, seinen Thriller als Kammerspiel zu inszenieren, gewährleistet dem Regisseur ein Höchstmaß an Kontrolle. Über Drehgenehmigungen oder das Wetter muss er sich keine Gedanken machen. Zudem spart das auf ein Minimum reduzierte Setting Schauspieler und Crew, Drehorte und Drehtage und damit letztlich jede Menge Geld ein, einerseits. Andererseits steht und fällt die Spannung mit Möllers Inszenierung und seinem Hauptdarsteller Jakob Cedergren.

Cedergren meistert seine Sache bravourös. Sein Spiel ist zurückhaltend, selbst seine Gefühlsausbrüche sind dosiert. Und doch schwingt darin von der ersten Minute an die Schuld seines Charakters mit, die bereits im Filmtitel anklingt. Sein strafversetzter Polizist Asger Holm ist ein innerlich Zerbrechender, ein Getriebener, der sein Fehlverhalten mit allen Mitteln wiedergutmachen will. Am Ende hat er ein Leben gerettet, das er in der Vergangenheit vielleicht noch genommen hätte.

Die Idee eines Kammerspiels mit einem Telefon als einziger Verbindung nach draußen ist nicht neu. Der Plot erinnert zudem stark an "The Call – Leg nicht auf!" (2013), in dem Halle Berry als Mitarbeiterin einer Notrufzentrale einer entführten Teenagerin telefonischen Beistand leistet. Doch während Regisseur Brad Anderson in "The Call" der Vorstellungskraft seines Publikums misstraut und zwischen Berrys Bürosituation und der Entführten im Kofferraum hin und herschneidet, bleibt Möller in "The Guilty" ganz bei seinem Polizisten. Eine mutige, aber schlussendlich richtige Entscheidung. Denn die Bilder, die während der Telefonate in den Köpfen des Publikums entstehen, sind um ein Vielfaches mächtiger als ihre Visualisierung.

Gustav Möllers Regie beschränkt sich aber nicht allein auf die Schauspielerführung. Seine Inszenierung ist ein ausgeklügeltes Konzept, das den Blick ganz allmählich vom Detail auf die Gesamtzusammenhänge verschiebt. So wie sein Drehbuch, das er gemeinsam mit Emil Nygaard Albertsen geschrieben hat, Puzzlestück für Puzzlestück zusammenfügt und trotz einer überraschenden Schlusswendung glaubhaft bleibt, gewährt auch Jasper Spannings Kamera sukzessive mehr Überblick. Auch ohne Musik ist das hochspannend. Vor vergleichbaren Filmen wie "Nicht auflegen!" (2002), "Buried – Lebend begraben" (2010) oder "No Turning Back" (2013) braucht sich dieses dänische Debüt nicht nur nicht zu verstecken, stellenweise überragt es diese sogar.

Fazit: Gustav Möllers Langfilmdebüt ist ein Thriller, der trotz oder gerade wegen seines kammerspielartigen Settings eine enorme Spannung und Dramatik entfaltet. Hauptdarsteller Jakob Cedergren braucht sich vor der internationalen Konkurrenz vergleichbarer Filme ebenso wenig verstecken wie Möllers Regie.




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