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FBW-Bewertung: Intrigo - Samaria (2018)

Prädikat wertvoll

Jurybegründung: Die Dokumentarfilmerin Paula will mit Hilfe ihres ehemaligen Lehrers Henry, der mittlerweile in Antwerpen als Werbetexter arbeitet, einen Filmüber den Mord an einer Klassenkameradin drehen, der zehn Jahre zurückliegt. Sie versuchen gemeinsam, einen möglichen Tathergang zu rekonstruieren, suchen ehemalige Weggefährten auf, darunter auch den für die Tat verurteilten Vater im Gefängnis, der seine Unschuld beteuert. In ausführlichen Rückblenden wird über das Alltags- und Schulleben der (damals jungen) Protagonisten in einer schwedischen Kleinstadt erzählt.

In Bezug auf das Spiel der Darsteller hat die Jury das Spiel von Phoebe Fox als Paula als erfrischend zupackend und forsch empfunden, während Andrew Buchan als Lehrer Henry eher ein wenig blass bleibt.

Der Film ist spannend erzählt und führt die Zuschauer lange Zeit auf völlig falsche Fährten. Er spielt mit ihren Erwartungshaltungen einer ?who-dunnit?- Krimirezeption und lässt sie dann ins Leere laufen. Das Motiv des ehemaligen Lehrers, an der detektivischen und stressigen Aufklärungsarbeit mitzuwirken, bleibt über lange Strecken unklar. Beziehungsgeflechte zwischen den Protagonisten insinuieren weitere mögliche Tatverdächtige neben dem Vater.

Die raffinierte Wende des Films enthält dann eine veritable Überraschung. Leider, so die Ansicht der Jury, ist sie dramaturgisch so spät angesetzt, dass das eigentliche Skandalon, das Abgründige der Geschichte, nicht mehr Gegenstand des Films ist. Es entfaltet seine Wirkung erst hinterher im Kopf des Zuschauers.

Eigentlich eine raffinierte Idee: das Nichterzählte ist spannender als das Erzählte. Die literarische Vorlage zu INTRIGO lieferte Hakan Nesser. Er gilt neben Henning Mankell und Stieg Larsson als einer der wichtigsten Krimiautoren Schwedens. Und auch am Ende seiner Geschichten bleiben oft verschiedene Fragen unaufgeklärt.

Nach Ansicht der Jury findet die Regie von Daniel Alfredson nicht immer eineüberzeugende filmische Form, um den Spannungsbogen zwischen der vermeintlichen Rekonstruktion des Mordes und der unsichtbaren Leerstelle Vera - als der immer wieder auftauchenden Akteurin der Geschichte - anzudeuten. An manchen Stellen wird dazu sehr klassisch erzählt, was verhindert, dass die Enthüllung am Schluss das Gesehene in ein anderes, schwärzeres Licht zu hüllen vermag.
Aufgrund seiner eindeutigen Genre-Qualitäten hat sich die Jury dazu entschieden, den Film als intelligente und clever gestrickte Krimi-Unterhaltung mit dem Prädikat ?wertvoll? auszuzeichnen.



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