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Why are we creative? (2018)

Why Are We Creative: The Centipede's Dilemma

Was uns antreibt: deutscher Dokumentarfilm, der dem Ursprung der Kreativität auf den Grund gehen will.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.7 / 5

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Im Garten seines Chefs Paul Arden, seinerzeit Kreativdirektor bei einer der einflussreichsten Werbeagenturen der Welt, schoss Hermann Vaske urplötzlich eine Frage durch den Kopf, die ihn seither nicht mehr loslässt: "Why are we creative?" Seit nunmehr 30 Jahren geht Vaske ihr rund um den Globus nach. Bei jeder Gelegenheit fragt er Künstler, Architekten, Schriftsteller, Musiker, Modeschöpfer, Regisseure, Schauspieler, Wissenschaftler, Staatsmänner und Religionsführer, warum sie kreativ seien, drückt ihnen Zettel und Stift in die Hand und bittet sie, ihre Antwort zu Papier zu bringen.

Mehr als 1000 Prominente haben Hermann Vaske in den vergangenen 30 Jahren geantwortet. Daraus hat er nun einen Dokumentarfilm gemacht, der kreative Köpfe von Bono über Björk bis David Bowie, von Zaha Hadid bis Frank Gehry, von Marina Abramović bis Damien Hirst, von Dennis Hopper über Sean Penn bis Angelina Jolie, von Werner Herzog bis David Lynch, von Nelson Mandela über George H. W. Bush bis zu Michail Gorbatschow vor der Kamera vereint.

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Eins vorweg: Die alles entscheidende Frage, die Hermann Vaske seit nunmehr 30 Jahren um- und antreibt und die er der Einfachheit halber gleich zum Titel seines Films erhoben hat, beantwortet "Why are we creative?" nicht. Wie sollte er auch? Schließlich haben sich über diese Frage schon unzählige andere kluge Köpfe eben diese zerbrochen. Vaskes dokumentarische Odyssee ist dennoch sehenswert, und zwar aus einem Grund, den der im März 2018 verstorbene Physiker Stephen Hawking vor der Kamera auf den Punkt bringt: "Es ist viel besser voller Hoffnung zu reisen, als anzukommen."

Diese Reise führt Hermann Vaske rund um den Globus. Egal ob in einem Hotelzimmer mit David Bowie, auf der Couch mit Björk oder während eines Kongresses mit George H.W. Bush – stets lautet die Frage: "Why are you creative?", die Vaske gern um ein "What drives you?" ergänzt. Nicht selten ähnelt sein Verhaltern dem eines aufdringlichen Fans oder eines Paparazzos, wenn er etwa Quentin Tarantino am Rande eines Filmfestivals oder den sichtlich genervten David Lynch in einem Hotelflur auf dem Weg zum Fahrstuhl abpasst. Allein die unterschiedlichen Moden und Frisuren sowie die diversen Film- und Videoformate, die Vaske aufwendig in ein erzählerisches Ganzes überführt hat, sind einen Kinobesuch wert.

Die Antworten sind zunächst erwartbar. Während die einen, ganz im Sinne Pablo Picassos, Kreativität als angeborene Eigenschaft erachten, die mit dem Erwachsenwerden verloren gehe und sich ein jeder Künstler erhalten müsse, halten andere wie die 2016 verstorbene Architektin Zaha Hadid sie für erlernt. Für Komiker John Cleese ist eine Verschränkung möglichst unterschiedlicher kultureller Herkünfte und Hintergründe entscheidend. Bei Performance-Künstlerin Marina Abramović war das Gegenteil der Fall. Ihr familiäres und kulturelles Regelkorsett konnte sie erst dank ihrer Kreativität sprengen.

Mit selbstreflexivem, teils ironischem Kommentar und tänzelnden Animationen arbeitet Vaske die üblichen Verdächtigen kreativer Ursprünge ab: Sex, Tod, Religion und Spiritualität. Mal ist die Kreativität Suchtmittel, von dem die Kreativen nicht genug bekommen können, mal hält sie sie am Leben, mal vom Freitod oder davon ab, anderen an die Gurgel zu gehen. Gegen Ende stellt der Film schließlich die spannende Frage, wie viel Kreativität die Politik nötig hat. Angesichts der derzeitigen Visions- und Einfallslosigkeit scheint sie dringlicher denn je.

Vielleicht seien die Antworten ja so vielgestaltig wie die Anzahl der Kreativen auf dieser Welt, zieht Vaske am Ende ein vorhersehbares Fazit. Und auch hier fasst ein Zitat eines Kreativen das Ergebnis der bislang 30-jährigen Odyssee perfekt zusammen. "Ich glaube, man sollte einen Tausendfüßler nie fragen, warum er geht, dann fängt er an zu stolpern", sagt der Regisseur Michael Haneke. Das Erstaunlichste an Hermann Vaskes Film sind denn auch nicht die Antworten, die die Kreativen geben, sondern die verblüfften Gesichter der Befragten, die mit der Frage meist völlig überfordert sind.

Fazit: Hermann Vaskes Dokumentarfilm geht seiner titelgebenden Frage mit ansteckendem Enthusiasmus, einem Schuss positiver Verrücktheit und jeder Menge eigener Kreativität nach. Ein spannendes Zeitdokument und eine amüsante Odyssee, an deren Ende freilich keine großartig neuen Erkenntnisse stehen.




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Land: Deutschland
Jahr: 2018
Genre: Dokumentation
Länge: 82 Minuten
Kinostart: 04.10.2018
Regie: Hermann Vaske
Darsteller: Marina Abramovic, Ai Weiwei, Mariya Alyokhina
Verleih: Rise and Shine Films GmbH

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