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Kritik: The Wild Boys (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nach fünfzehn Kurzfilmen legt der Franzose Bertrand Mandico mit dem Arthouse-Fantasy-Drama-Mix "The Wild Boys" sein Langfilm-Debüt vor. Premiere feierte der Film bereits vor zwei Jahren in Venedig. Ungewöhnlich ist, dass Mandico alle fünf Jungs im Film von weiblichen Darstellern spielen lässt. Schauplatz der Handlung ist die französische Insel La Réunion.

Bei "The Wild Boys" handelt es sich fraglos um eine der bizarrsten, außergewöhnlichsten Arthouse-Produktionen der jüngeren Vergangenheit. Und: um eine der mutigsten. Mandico bricht dabei nahezu fortwährend mit gängigen Sehgewohnheiten und Erwartungshaltungen des Betrachters. Das zeigt sich u.a. in der Mischung aus kunstvollen Schwarz-Weiß- und an die Giallo-Filme der 70er-Jahre erinnernden Farbaufnahmen. Oder am 16-mm-Schmalfilmformat, dessen sich Mandico hier bedient.

Großartig ist seine Entscheidung, alle bösen Buben von (ungemein androgyn wirkenden) Frauen spielen zu lassen. Damit stellt der Filmemacher, der auch das Drehbuch zu "The Wild Boys" verfasste, geläufige Geschlechterrollen und -konstrukte völlig auf den Kopf. Er liebt es, den Zuschauer zu verwirren und ihn ungläubig zurückzulassen. Gerade die von surrealen und Fiebertraum-artigen Halluzinationen unterbrochenen Szenen auf der abgeschiedenen Insel fordern den Kinobesucher und wirken mitunter verstörend. Aber sie sind ebenso durchzogen von einer faszinierenden Bedrohlichkeit, von unzähligen sexuellen Anspielungen und einer – ebenso erotisch aufgeladenen – Symbolhaftigkeit. Dies alles erzeugt im Gesamtmix einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann.

Jene Symbolträchtigkeit zeigt sich in erster Linie anhand der üppigen Vegetation der Insel. Wir sehen behaarte, exotische Früchte, die an das primäre weibliche Geschlechtsorgan gemahnen. Oder Phallus-artige, teils riesige Pflanzen, aus denen Flüssigkeiten entweichen. Um nur einige Beispiele zu nennen. Insgesamt ist der Film jedoch fünfzehn bis zwanzig Minuten zu lang geraten, weshalb sich nach einer gewissen Zeit auf der Insel Ermüdungserscheinungen und Langatmigkeit einstellen. Der überschaubare, simple Plot trägt nur schwer zwei volle Stunden.

Fazit: Eine surreale, fiebrige Reise auf eine abgelegene Insel fern jeglicher Zivilisation, die mit gängigen Sehgewohnheiten bricht und von den kühnen Entscheidungen sowie exzentrischen Regie-Einfällen des Regisseurs lebt.




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