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Träum weiter
Träum weiter
© eksystent distribution filmverleih

Kritik: Träum weiter (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Spielfilmdebüt der schwedischen Regisseurin Rojda Sekersöz kommt im Rahmen der zweiten "Femmes Totales"-Filmtour des Filmverleihs eksystent in die deutschen Kinos. Die Coming-of-Age-Geschichte handelt von einer rebellischen Jugendlichen, die nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis plötzlich erkennt, dass ihre Mutter und ihre kleine Schwester Hilfe brauchen. Voller Elan beginnt sie ein vorbildliches Leben und geht täglich zur Arbeit. Doch auf die Schwierigkeiten, denen sie bald begegnet, ist sie nicht gefasst. Auch kommt sie sich ihren Freundinnen gegenüber, die wie immer vor dem Wohnblock sitzen und rauchen, wie eine Verräterin vor. Denn die klammern sich weiterhin an ihren Jugendtraum, Geld für Flugtickets nach Montevideo zu stehlen, wo das Leben gewiss viel schöner ist als in Schweden.

Mirja, die von der jungen Evin Ahmad mit kaum gebändigter Energie gespielt wird, ist ungeduldig und aufbrausend. Dass ihr Verhältnis zur Mutter so gestört ist, liegt vermutlich an ihr selbst. Ihre Freundinnen leben noch immer voller Verachtung für die arbeitende Bevölkerung in den Tag hinein, lehnen die ganze Gesellschaft ab. So muss Mirja bis vor kurzem auch gewesen sein, doch nun verwandelt sie die Wut in ihrem Bauch in konstruktiven Tatendrang. Selbstbewusst spricht sie bei einem Hoteldirektor vor, ohne Termin, und wird genommen. Die Arbeit bringt ihr viel Anerkennung und neue Kontakte, allerdings nutzt der Direktor ihre Unerfahrenheit zu seinen Gunsten aus. Einfach nur arbeiten zu wollen, das funktioniert offenbar auch in Schweden nicht ohne weiteres. Und auch den Sozialstaat hätte man sich in dem skandinavischen Land irgendwie anders vorgestellt: Niemand bereitet die Familie auf die Zukunft vor, fragt, was aus der kleinen Isa werden soll, wenn sich der Zustand der kranken Mutter verschlechtert.

Das Drama wirkt sehr realistisch und strahlt eine ansteckende Lebendigkeit aus. Allerdings wird darin auch ein pädagogischer Ton vernehmbar, eine wohlmeinende Simplifizierung, die aufzeigen will, dass es irgendwann Zeit ist, mit den rebellischen Utopien der Jugend zu brechen. Mirjas Motive, den Sprung in eine neue Lebensphase zu wagen, der ja sehr radikal ist, bleiben weitgehend unausgesprochen, was ihr Verhalten auch ein wenig romantisiert. Aber es bleibt bis zum Schluss spannend, dieser jungen Filmheldin bei ihren Versuchen, im Leben Fuß zu fassen, zuzuschauen.

Fazit: Das Spielfilmdebüt der schwedischen Regisseurin Rojda Sekersöz ist ein energiegeladenes Coming-of-Age-Drama über eine Jugendliche, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens steht. Nach der Haftentlassung will sie Verantwortung für sich selbst übernehmen und sich um Mutter und Schwester kümmern. Aber was wird dann aus ihren Freundinnen und dem gemeinsamen Traum vom großen Ausbruch? Die Frage, ob die von der Schauspielerin Evin Ahmad mit kämpferischer Tatkraft ausgestattete Heldin ihren Weg finden wird, sorgt bis zum Schluss für Spannung.




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