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Kritik: Mary Shelley (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit dem Biopic "Mary Shelley" legt die saudi-arabische Filmemacherin Haifaa Al Mansour ihr zweites abendfüllendes Werk vor. Ihr weltweit prämiertes Debüt "Das Mädchen Wadjda" (2012) ging als erster Kinofilm, der jemals in Saudi-Arabien gedreht wurde, in die Geschichte ein und erzählte vom Kampf für weibliche Emanzipation. Dieses Thema ist auch diesmal von zentraler Bedeutung, wenn sich Al Mansour und ihre Drehbuchautorin Emma Jensen der titelgebenden, 1797 in London geborenen Schriftstellerin widmen und dabei sowohl deren diffizile Beziehung zu dem Dichter Percy Bysshe Shelley als auch die Entstehung des Romans "Frankenstein oder Der moderne Prometheus" (1818) betrachten.

Mary Shelley war die Tochter der am Kindbettfieber gestorbenen Mary Wollstonecraft, einer Pionierin der Frauenrechtsbewegung – und auch sie selbst rang um Gleichberechtigung. In den Momenten, in denen dieses Streben deutlich wird, ist Al Mansours Arbeit besonders stark. Auch wenn Marys Drang, sich literarisch auszudrücken, etwa durch das heftige Kratzen ihrer Schreibfeder oder durch Inspirationen und Fantasien vermittelt wird oder wenn Mary in ihrer Mimik und Gestik als moderne junge Frau eingefangen wird, findet der Film einen interessanten, aktuellen Zugang zu dem historischen Stoff. In der Darstellung der Liebe zwischen Mary und Percy, die damals als skandalös aufgefasst wurde, da Percy noch mit einer anderen Frau verheiratet war und das Paar zudem mit Marys Stiefschwester Claire zusammenwohnte, bleibt das Werk indes eher ein konventionelles Kostümdrama. Die Bilder des Kameramanns David Ungaro sowie das Produktionsdesign sind wiederum äußerst reizvoll.

Dank Hauptdarstellerin Elle Fanning ("Somewhere", "The Neon Demon") verliert der Film nie seine Intensität. Sie verleiht der Titelheldin etwas angenehm Rebellisches und zugleich Melancholisch-Nachdenkliches. Ihr Leinwandpartner Douglas Booth ("Noah", "The Riot Club") reicht in seiner Percy-Shelley-Interpretation nicht ganz an Fannings Tiefe heran, lässt jedoch den narzisstischen Charakter des Lyrikers glaubhaft erkennen.

Fazit: Eine elegant gestaltete Filmbiografie, die den Kampf einer jungen Autorin im frühen 19. Jahrhundert einfühlsam schildert. Elle Fanning agiert hingebungsvoll in der Titelrolle.




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