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Warum Siegfried Teitelbaum sterben musste
Warum Siegfried Teitelbaum sterben musste
© Limbo Lab Filmverleih © Arndt Müller © Marco Opitz

Kritik: Warum Siegfried Teitelbaum sterben musste (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Wer einen kurzen Google-Check zu "Warum Siegfried Teitelbaum sterben musste" macht, stolpert über einen 2013 veröffentlichten tz-Artikel zum Thema, der vollmundig die Vorteile von Crowdfunding anpreist. Dort heißt es, dass heutzutage jeder Filmemacher werden kann, man braucht weder Ahnung, noch viel Zeit oder Geld. Weiterhin wird berichtet, dass den beiden Münchner Bogdan Kramliczek und Alex Steinmüller bei "ein paar Bierchen" die Idee für den Film kam, die Crew - ebenfalls dank dem Internet - bereits gefunden wurde und man 18 Drehtage angesetzt hat. Alles ganz einfach also.

Leider demonstriert die Krimikomödie der beiden anschaulich die negative Seite der Demokratisierung der Produktionsmittel: So toll es theoretisch einerseits ist, dass heute jeder Filmemacher werden kann, praktisch hat sich der Output an Filmen verzigfacht, die es vor 20 Jahren nur in Form einer eigenproduzierten Winz-Auflage über den engsten Familien- und Freundeskreis hinausgeschafft hätten. Mittlerweile generieren auch C-Movies ein verhältnismäßig breites Medienecho, gelangen hier und da sogar ins Kino und werden dank billig zu produzierender digitaler Medien breitflächig auf dem Homevideo-Markt ausgewertet.

Womit wir bei "Warum Siegfried Teitelbaum sterben musste" wären. Eine Antwort auf diese Frage interessiert schon nach wenigen Minuten nicht mehr, da sich der Film als einer dieser unsäglichen, in diesem Fall auch viel zu spät eintrudelnden Tarantino-Epigonen entpuppt, der zwar ausgiebig das große Vorbild zitiert, aber ohne je auch nur ansatzweise dessen Sinn für Struktur, Rhythmus und Witz aufzuweisen. So hat zum Beispiel der Protagonist eine Vorliebe für die Erdnussbuttercreme "Supertschunk", was wohl an den "Big Kahuna Burger" aus "Pulp Fiction" erinnern soll. Während Tarantino aber seine fiktiven Kreationen - siehe zum Beispiel auch die "Red Apple Zigarettes" - lediglich als Inventar für sein Universum benutzt, soll hier mit Gewalt ein "Kult"-Faktor heraufbeschworen werden, was zur Folge hat, dass spätestens nach der fünften Erwähnung des Namens die Hoffnung auf einen baldigen Abspann aufkeimt, die von der wirren Struktur des Films noch zusätzlich genährt wird. Hier orientiert man sich ebenso am amerikanischen Regie-Titan, beziehungsweise dessen verschachtelte Erzählweise, verrennt sich aber maßlos. Über den Brachialhumor - ausgewalzte Dialekt-Jokes oder "lustige" Namen - sei an dieser Stelle gnädig drüber hinweg gestiegen. Man kann von Tarantino halten, was man will, aber Tarantino kann nun mal eben nicht jeder.

Bedauerlicherweise verleitet auch die formale Seite nicht zum Jauchzen: Die matten, vor allem in den Action-Szenen holprig montierten Bilder geben sich nicht die geringste Mühe, das karge Budget zu übertünchen, und der Umstand, dass man es wundersamerweise geschafft hat, mit Joseph Hannesschläger und Michael Mendl zwei gestandene Schauspieler an Bord zu holen, legt den puren Dilettantismus des Ganzen nur noch weiter offen, denn die Profis machen das Untalent ihrer Umgebung besonders deutlich.

Dass heutzutage jeder ohne Ahnung, viel Zeit oder Geld Filmemacher werden kann, ist, wie gesagt, in Ordnung, ein Hobby ist nie verkehrt, und es ist sicherlich für alle Beteiligten ein großer Spaß, sich mal in einem "Film" zu sehen, aber man sollte mit dem Resultat dann bitte ausschließlich Familienmitglieder oder Freunde quälen und keine größere Öffentlichkeit terrorisieren.

Fazit: Ein weiterer Auswurf aus der Hölle der Freizeit-Filmer: Tarantino auf Bauerntheater-Niveau.




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