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Another Day of Life
Another Day of Life
© Pandora Film

Kritik: Another Day of Life (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der polnische Journalist Ryszard Kapuściński berichtete 1975 als Auslandskorrespondent aus dem Bürgerkriegsland Angola. Seine Erlebnisse auf der dreimonatigen Reise verarbeitete er in dem Tatsachenroman "Wieder ein Tag Leben". Dieses animierte Dokudrama von Raúl de la Fuente und Damian Nenow basiert auf Motiven des Buchs. Es sucht die Nähe zum persönlichen, literarischen Stil Kapuścińskis. Der Film schildert in animierter Form die Reise des polnischen Reporters in die Kriegsgebiete im Süden Angolas. Zwischendurch gibt es Realfilmeinschübe, hauptsächlich in dokumentarischer Form. Es handelt sich beispielsweise um rückblickende Interviews der alt gewordenen Augenzeugen und Kriegsteilnehmer Artur Queiroz und Farrusco. Kapuściński selbst starb bereits 2007.

Je mehr der Reporter Ryszard von den Gräueln des Krieges zu sehen bekommt, desto stärker werden seine Zweifel, ob er noch neutraler Berichterstatter bleiben kann. Er begleitet die MPLA, lernt die knapp 20-jährige Kämpferin Carlotta kennen, die davon träumt, Kinder zu bekommen. Ihr Schicksal und auch das Interview mit General Farrusco gehen ihm nahe. Soll er berichten, dass Kuba, wo viele Nachfahren angolanischer Sklaven leben, Truppen schickt? Dann würden wohl auch die USA ihre Intervention im Land verstärken. Der Reporter fühlt sich auch zunehmend vom Zustand der "Confusão" bedroht, einem im Land grassierenden Gefühl von Verwirrung und Lähmung. So wie der Reporter will der Film den Kämpfern und den Toten ein Denkmal setzen, an ihre Ziele, Ideale und ihren Einsatz erinnern. So erhalten die Zuschauer bewegende Einblicke in ein Kapitel afrikanischer Geschichte, das in der europäischen, westlichen Welt zu wenig bekannt ist.

Den Animationen dienten reale Schauspielszenen als Vorlage. Das Stilmittel verstärkt den Eindruck subjektiv erinnerter Ereignisse, die aus der Realität und dem Fluss der Vergänglichkeit herausgehoben werden. Die Nähe zum wahren Leben bricht immer wieder durch, schiebt sich dazwischen in Realfilmsequenzen mit den Augenzeugenberichten, den Fotografien und den kleinen Spielszenen. Der Hybridcharakter wirkt emotional fesselnd und steht diesem kraftvollen filmischen Dokument gegen das Vergessen gut.

Fazit: Der dokumentarische Animationsfilm von Raúl de la Fuente und Damian Nenow schildert die Erlebnisse des polnischen Journalisten Ryszard Kapuściński im angolanischen Bürgerkrieg des Jahres 1975. Der Reporter lernte Kämpfer der linksgerichteten Befreiungsbewegung MPLA kennen, die ihn mit ihrem todesmutigen Idealismus sehr beeindruckten. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch des Reporters, das ein wichtiges und zugleich persönlich gefärbtes Dokument über die Anfänge der vom Kalten Krieg der Supermächte genährten Guerillakämpfe darstellt. Die ungewöhnliche Hybridform, in der sich Animationen und Realfilmaufnahmen mit Augenzeugenberichten abwechseln, verleiht dem Werk einen sehr lebendigen und berührenden Charakter.




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