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Kritik: Gut gegen Nordwind (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Brieffreundschaften sind nicht länger altmodisch, sondern können sich im Gegenteil als höchst praktisch und kurzweilig erweisen. Überall, beim Kochen, Einkaufen, kann sich das Handy mit einem Piepton melden: Eine neue E-Mail ist da! Man kann sofort antworten, das ferne Gegenüber in das einbeziehen, was man gerade tut, sich beraten, mit einer witzigen Konversation die Zeit vertreiben und dem Alltag mehr Würze verpassen. Auch unverbindliches Flirten ist vielleicht möglich, so wie bei Leo und Emma, die sich nicht kennen, nie gesehen haben und sich doch immer vertrauter werden. Wer könnte dieser andere denn sein und würde ein persönliches Treffen wohl die Erwartungen bestätigen? Die Kommunikation des Internet-Zeitalters, vom E-Mail-Austausch bis zu Dating-Plattformen, eröffnet auch der Romantik neue Spielwiesen und mit ihr dem Genre des Liebesfilms.

Die Drehbuchautorin Jane Ainscough ("Ich bin dann mal weg") und die Regisseurin Vanessa Jopp ("Meine schöne Bescherung") haben sich an die Verfilmung des gleichnamigen Bestseller-Romans von Daniel Glattauer gewagt. Die besondere Herausforderung bestand darin, die Mail-Dialoge auf spannende Weise mit filmischen Mitteln lebendig werden zu lassen. Jopp lässt die Mails jeweils in Voice-Over von ihren Verfassern einsprechen. So meint das Publikum, dass Emma oder Leo zwar nicht körperlich, aber doch stimmlich bei ihrem lesenden Gegenüber anwesend sind. Es entsteht eine Nähe, die die emotionale Fantasie anregt. Auch die dramaturgische Struktur ist gelungen: Eine lange Zeit folgt der Film im Bild nur Leo in seinem Alltag, bevor er dann in Emmas Welt wechselt und schließlich hin- und herspringt.

Nora Tschirner und Alexander Fehling harmonieren als Paar, das von anfänglicher Neugier über wachsende Sympathie bis zum Herzklopfen alle Phasen der Beziehung ziemlich glaubhaft spielt. Auch Ulrich Thomsen hat als Emmas Ehemann eine interessante Rolle, sozusagen aus der zweiten Reihe. Die eheliche Kommunikation ist stark eingeschränkt, räumliche Anwesenheit führt nicht automatisch zu größerer Offenheit.

Leider besitzt der Film keine große emotionale Fallhöhe. Zu lange halten sich die beiden Hauptfiguren mit Zögern und Zaudern auf, ihre verkopften Überlegungen, die gegen ein Treffen sprechen, wirken mit zunehmender Filmdauer gekünstelt. Das Ergebnis ist dann eher sanft dahinplätschernde Kinounterhaltung.

Fazit: Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Daniel Glattauer führt den Beweis, wie romantisch eine E-Mail-Freundschaft werden kann, recht ansprechend aufgrund kluger dramaturgischer und stilistischer Entscheidungen. Unter der Regie von Vanessa Jopp überzeugen Nora Tschirner und Alexander Fehling als Paar, das sich nicht persönlich kennt, aber beim Mail-Austausch allmählich Herzklopfen verspürt. Die an sich reizvolle Inszenierung scheut allerdings davor zurück, rechtzeitig das Feuer zu entfachen und begnügt sich mit Unterhaltung, die wie netter Zeitvertreib anmutet.




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