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Das Prinzip Montessori - Die Lust am Selber-Lernen
Das Prinzip Montessori - Die Lust am Selber-Lernen
© Neue Visionen

Kritik: Das Prinzip Montessori - Die Lust am Selber-Lernen (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Maria Montessori begründete ihr Konzept 1907, nachdem sie in ihrer Tätigkeit als Pädagogin und Philanthropin das Verhalten von Kindern viele Jahre studierte und daraufhin ihre Erkenntnisse ableitete. Heute gibt es auf der ganzen Welt etwa 40.000 Montessori-Schulen, die ihre Pädagogik anwenden. Regisseur Alexandre Mourot ist eigentlich Ingenieur, schloss an sein Technikstudium aber noch ein Geschichtsstudium an, in dessen Verlauf er Dokumentarfilmregie-Kurse belegte. So stieß er auf diese filmische Gattung. 2009 veröffentlichte er seine erste Dokumentation "Poubelles et Sentiments", in der er sich mit der menschlichen Anhänglichkeit von materiellen Gütern beschäftigt.

Alexandre Mourot verschafft seinem dritten Doku-Werk eine sympathische persönliche Note, wenn er zu Beginn einleitend seine ganz persönlichen Beweggründe für die Realisierung des Films darlegt. Dazu unterfüttert er seine Äußerungen mit privaten Film-Aufnahmen und Fotos, die seine Tochter zeigen. Bevor er zu seinen ausführlichen Beobachtungen der Kinder in Frankreich übergeht, geht er komprimiert und kurz auf das Leben und die Arbeit von Maria Montessori ein. Rare und spannend anzusehende Schwarz-Weiß-Archivaufnahmen aus frühen Montessori-Kinderhäusern (die Aufnahmen stammen vermutlich aus den 20er- oder 30er-Jahren) vermitteln einen ersten Eindruck vom Aufbau und Prinzip dieser, an die Hilfe-zur-Selbsthilfe appellierenden Pädagogik. Auch Montessori selbst ist kurz zu sehen.

Das Herzstück des Films aber sind ganz klar die Ereignisse und Szenen, die sich im Montessori-Kinderhaus abspielen. Mourot nimmt am Alltag und Tagesablauf der Kinder teil und verhält sich dabei so, wie es die Pädagogen den Kindern gegenüber tun: zurückhaltend und beobachtend. Eindrucksvoll und lehrreich mit anzusehen ist, wie Kinder miteinander umgehen, wenn kein Einfluss von der sie umgebenden Umwelt, sprich: den Erwachsenen, ausgeübt wird.

So nehmen sie sich zum Beispiel nur jene Spiele, Werkzeuge und Materialien aus dem Regal, die sie interessieren und mit denen sie sich beschäftigen wollen. Das beeindruckendste dabei ist, mit welcher Akribie und Leidenschaft sie die Dinge zu bewältigen und Probleme zu lösen versuchen (egal ob es ums Ausschneiden, Kleben, Basteln oder Malen geht) – wenn man sie nur gewähren und ihnen die nötigen Freiheiten lässt. "Wenn man die Kinder beobachtet ohne einzugreifen, kann man etwas Seltsames entdecken: Sie helfen einander nicht, wie Erwachsene es tun würden. Sie schreiten nur ein, wenn es wirklich notwendig ist". So lautet ein berühmtes Zitat von Maria Montessori. "Das Prinzip Montessori" belegt auf bemerkenswerte Weise, dass dem tatsächlich so ist.

Fazit: Lehrreiche, angenehm zurückhaltend umgesetzte Doku über ein wichtiges Bildungs- und Pädagogik-Konzept, das die Individualität des Kindes als besonders wichtig ansieht.




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