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Candelaria - Ein kubanischer Sommer (2018)

Candelaria

Liebe auf Kubanisch: In Jhonny Hendrix Hinestrozas tragikomischem Drama entdeckt ein altes Ehepaar seine Leidenschaft wieder.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Havanna, 1994: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und einer verschärften Blockadepolitik der USA durchläuft Kuba eine schwere Wirtschaftskrise. Inmitten des Niedergangs versuchen die 75-jährige Candelaria (Verónica Lynn) und ihr 76-jähriger Ehemann Victor Hugo (Alden Knight) über die Runden zu kommen. Candelaria arbeitet tagsüber in der Wäscherei eines Hotels, nachts tritt sie als Sängerin in einer Bar auf und zu Hause zieht sie im Geheimen ein paar Hühnerküken groß. Auch Victor Hugo ist erfinderisch, verkauft unter der Hand selbst gedrehte Zigarren.

Ein Zufallsfund verändert alles. Als Candelaria eine Videokamera von der Arbeit mit nach Hause bringt, kommt neuer Schwung ins festgefahrene Eheleben. Sie hinterlässt Victor Hugo kurze Filme, die dessen längst tot geglaubte Libido wieder ankurbeln. Die neu entfachte Leidenschaft lenkt vom Hunger und den ständigen Arztbesuchen ab. Denn einer der beiden ist schwer krank. Über Umwege landen die privaten Erotika bei einem Hehler (Philipp Hochmair), der dem Paar für weitere Clips eine hübsche Summe Geld anbietet. Ein unmoralisches Angebot in der Krise.

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CandelariaCandelaria - (Veronica Lynn) und Victor Hugo (Alden Knight)Candelaria -(Veronica Lynn) und Victor Hugo (Alden Knight)Candelaria - (Veronica Lynn) und Victor Hugo (Alden Knight)Candelaria - (Veronica Lynn) und Victor Hugo (Alden Knight)Candelaria -(Veronica Lynn) auf der Bühne


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Not macht erfinderisch. Die Kleider für ihre Auftritte schneidert Candelaria (Verónica Lynn) schon lange selbst. In der Krise stellt sie auch noch ihre eigene Schminke her, aus roter Tafelkreide. Die bringt etwas Farbe in ihr fahles Gesicht. Candelaria singt von wehmütigen Erinnerungen an vergangene Tage und von Wunschträumen einer besseren Gesellschaft. Ein Zufallsfund macht schließlich auch ihren Ehemann Victor Hugo (Alden Knight) erfinderisch und lässt das Paar ganz ohne Hilfsmittel erröten.

Wie so viele Filme aus und über Kuba verströmt "Candelaria" die inseltypische Mischung aus Melancholie und Lebensfreude. Auch von der Sehnsucht nach Flucht und der Liebe zur Heimat erzählt der Kolumbianer Jhonny Hendrix Hinestroza, verschiebt diesen inneren Konflikt aber auf die Nebenfigur El Negro (Manuel Viveros). Für solche Träumereien sind seine Protagonisten zu gebrechlich. Für Sex gibt es im Sozialismus hingegen keine Altersbeschränkung. Und so findet neben der allgemeinen Gemütslage und dem Volkssport Baseball auch das andere große Thema kubanischer Filme, die Lust und Leidenschaft in all ihren schillernden Facetten, Eingang in Hinestrozas Drama. Durch die Wahl seiner Protagonisten verschiebt der Regisseur und Drehbuchautor auch hier geschickt den Fokus.

Hinestroza inszeniert die späte Wiederannäherung eines alten Paars wie einen ersten Tanz: zunächst zaghaft, dann zaudernd, am Ende im romantischen Einklang. Verónica Lynn und Alden Knight spielen das mit rührender Zurückhaltung. Soledad Rodriguez' Kamera fängt die Schönheit des Verfalls, die der Körper und die der Gebäude, in all ihrer Farbenpracht ein. Perfekt kadrierte Tableaus, mal draußen, meist drinnen, wechseln sich ab. Der Blick ist streng auf die Figuren verengt. Ihre Umwelt kann schon einmal in der Unschärfe verschwimmen, wenn die Gesellschaft in Wallung gerät.

Hinestroza nähert sich seinen Figuren zärtlich und mit feinem Humor. Dann schreckt das Paar vor Küssen zurück, weil sie mit dieser spontanen Zuneigung ihres Partners nicht gerechnet haben. Und eine Entkleidungsszene wird zum taktilen Kampf mit Haken, Ösen und eingerosteten Gelenken. Wenn mitten in einer Radioansprache voller Durchhalteparolen der Strom ausfällt, kommentiert Hinestroza augenzwinkernd die politische Lage. Candelaria und Victor Hugo verteufeln diese nicht. Sie sind, so formuliert es El Negro, wie das Haus und das Land, in dem sie leben: "Komplett im Eimer, aber zu Fall bringt es keiner."

Fazit: "Candelaria" ist ein tragikomisches Drama über ein Liebespaar, das im hohen Alter noch einmal zueinanderfindet. Ein Film über Liebe, Krankheit und Tod wie das Land und die Leute: melancholisch und lebenslustig zugleich.




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Land: Kolumbien, Deutschland, Kuba, Argentinien, Norwegen
Jahr: 2018
Genre: Drama
Länge: 89 Minuten
Kinostart: 05.07.2018
Regie: Jhonny Hendrix
Darsteller: Manuel Viveros, Alden Knigth, Verónica Lynn
Verleih: DCM GmbH

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