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Symphony Of Now
Symphony Of Now
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Kritik: Symphony Of Now (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Erinnerst Du Dich an den Augenblick, als Du Dich in Berlin verliebt hast? In diese wilde, raue Stadt von herzzerreißender Schönheit?", fragt das Presseheft zu Johannes Schaffs Dokumentarfilm. In seinen besten Momenten gelingt es "Symphony of Now" ebendiese Schönheit einzufangen. Viel zu oft erinnern die kurzen 65 Minuten aber an ein aufgeblähtes Musikvideo.

Das liegt am Konzept. Schon der Titel verweist auf Walter Ruttmanns Klassiker "Berlin – Die Sinfonie der Großstadt" (1927), von dem Schaff neben der Spieldauer auch die Struktur übernommen hat. Fünf Akte ordnen seinen Film. Doch wo Ruttmanns Experimentalfilm einen Tag abbildete, zieht Schaff mit seinen Kameras durch die Nacht. Das Berufsleben kommt nur am Rande, Sport, der bei Ruttmann noch viel Raum einnahm, kommt gar nicht vor. Aus einem gefräßigen Moloch, der seine Arbeiter verschlingt, wird eine pulsierende Riesendisco.

Für die Bildgestaltung hat sich Schaff den Musikvideoproduzenten und -regisseur Lil' Internet mit an Bord geholt. Auf der Tonspur treiben Szenegrößen wie Frank Wiedemann, Modeselektor oder Hans-Joachim Roedelius den dokumentarischen Partykahn mit ihren Beats voran. Bobby Goods Schnitte sind mal auf die Rhythmen, mal auf Farben abgestimmt. An die Geschwindigkeit, Avantgarde und Meisterschaft des Originals kommt Schaff dennoch nicht heran.

"Berlin – Die Sinfonie der Großstadt" war nicht direkt ein Klassiker. Zeitgenössische, aber auch spätere Kritiker von Siegfried Kracauer bis Klaus Wildenhahn bemängelten, dass der Film seine Form über den Inhalt stelle, sich nicht für die gezeigten Menschen interessiere. Daran gemessen dürfte aus "Symphony of Now" kein Klassiker werden. Denn auch Schaff sieht nicht tief genug hinter die Fassade. Er zeigt lediglich einen klitzekleinen Blick ins Berlin der Gegenwart, der ziemlich beliebig wirkt.

Fazit: "Symphony of Now" ist ein dokumentarisches Experiment, das an sein Vorbild "Berlin - Die Sinfonie der Großstadt" nicht heranreicht und zu oft an ein Musikvideo erinnert. In seinen besten Momenten verströmt es das pulsierende Gefühl, mit dem der Film beworben wird.




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