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Kritik: Searching (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Searching" gilt als einer der ersten Desktop-Filme überhaupt: Alles, was sich im Film abspielt, ist auf dem Computer-Screen zu sehen und wurde "aus der Sicht" von Smartphones, Laptops und Tablets gefilmt. Inszeniert wurde "Searching" von der erst 27-Jährigen Aneesh Chaganty, die für ihren ersten Langfilm auf dem diesjährigen Sundance Filmfest gleich den Sloan-Feature-Film-Prize erhielt. Begeistert von der Idee des Films zeigte sich der bekannte kasachische Regisseur Timur Bekmambetow ("Wanted", "Ben Hur"), der den Film produzierte.

Bezogen auf seine Inszenierung und die Optik, kann ein Film wohl nicht moderner und zeitgemäßer gestaltet sein als "Searching". Ein Film, der die hohe Bedeutung mobiler Medien und digitaler Welten für unser Leben radikal verdeutlicht. Denn ebenso wie wir alle tagtäglich einer ständigen Flut aus Bildern, Videos, Posts und News ausgesetzt sind und der technologische Fortschritt damit unseren Alltag immer weiter bestimmt, so bedient sich auch "Searching" eines wahren Bilderrausches. Und diese Herangehensweise funktioniert, da der Film so eine ganz eigene Dynamik entwickelt. Und: Weil Chaganty ihr Konzept konsequent durchzieht.

Der Zuschauer sieht nahezu ununterbrochen Skype-Chatverläufe, Facebook-Zeitleisten, Google-Kalendereintragungen, News-Videos, Profile diverser sozialer Medien, Streams und Webseiten. Über diese visuellen Oberflächen wird die Story fast ausschließlich erzählt. Dabei verliert Chaganty den Spannungsbogen aber nie aus den Augen und kommt ihren Figuren erstaunlich nah – trotz des Umweges, den sie über die Medien, Webcam oder Überwachungskamera gehen muss, aus deren Sicht die Ereignisse geschildert werden. Und obwohl sie die handelnden Menschen selten direkt vor der Kamera hat.

Es gelingt Chaganty, da sie den Betrachter hautnah und unmittelbar am Leben, an den Schicksalen und wichtigen Ereignissen der Familie teilhaben lässt. Durch multimediale Inhalte, denen wir alle in unseren eigenen Profilen häufig begegnen. Und durch die wir am Leben der Anderen teilnehmen: Videos von Urlauben, Schulabschlüssen oder Konzerten etwa. Bilder von Krankenhausaufenthalten (ein Schwerpunkt liegt auf dem Kampf der Mutter gegen die Krebserkrankung), ersten Schultagen, Geburtstagen. Bei der innovativen Herangehensweise und rasanten Umsetzung ist es zu verschmerzen, dass der Film gegen Ende einige (überzogene) Haken im Handlungsverlauf zu viel schlägt und ein wenig von seiner Glaubwürdigkeit einbüßt.

Fazit: Zeitgemäßer, in seiner Umsetzung innovativer und geistreicher, multimedialer Entführungsthriller, der uns vor Augen führt, wie sehr digitalen Medien, moderne Techniken und die sozialen Netzwerke mittlerweile unser Leben bestimmen.




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