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Heavy Trip
Heavy Trip
© Ascot Elite Filmverleih GmbH

Kritik: Heavy Trip (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In ihrem Kinodebüt entführen Juuso Laatio und Jukka Vidgren ihr Publikum in die wundersame Welt des Heavy Metal, die der Filmgeschichte in jüngster Vergangenheit so skurrile, urkomische und zuweilen tief bewegende Filme wie "Deathgasm" (2016), "Happy Metal" (2013) und "Metalhead" (2013) beschert hat. Im Gegensatz zu einigen wenigen nordischen Schwermetallern, die die gesellschaftliche Mitte verlassen haben, nehmen die Regisseure (wie der Großteil der Szene) die düsteren Inhalte der für viele Ohren gewöhnungsbedürftigen Musik nicht wörtlich, das gemeinschaftstiftende Moment, das in ihr schlummert, indes ernst. "Heavy Trip" ist ein Heidenspaß und eine Feier der Freundschaft und Vielfalt.

Gemeinsam mit ihren Koautoren Aleksi Puranen und Jari Olavi Rantala haben Laatio und Vidgren "Heavy Trip" als Außenseiterstory angelegt. Wenn Frontmann Turo (Johannes Holopainen) zu seiner Arbeit in der Psychiatrie radelt, beschimpfen ihn die Dorfprolls als "Schwuchtel" und "verschrobenen Homo". Rück- und Zusammenhalt findet er in den Bandproben mit seinen Kumpels. "Andere Jungs spielen Hockey oder machen Jagd auf Muschis, wir spielen Metal", erklärt Turo den Zuschauern und setzt damit zu Mika Lammassaaris treibendem Titelsong "Flooding Secrations" den Ton. "Heavy Trip" ist hart, aber herzlich, stets ein wenig derb und reichlich überzogen, je länger die Reise der Jungs dauert.

Das Regieduo setzt auf liebenswerte Typen und schrägen Humor. Turo gibt den Schüchternen, der sich vor lauter Lampenfieber schon mal von der Bühne ins Publikum erbricht, Lotvonen (Samuli Jaskio) den Unruhigen, Jynkky (Antti Heikkinen) das knuddelige Herz der Gruppe und Pasi (Max Ovaska) mit seiner kühlen Logik und der ausdruckslosen Performance ein ums andere Mal einen köstlichen comic relief. Dann steht er in der Bibliothek und empfiehlt zwei Teenagerinnen anstelle des neuen Justin-Bieber-Albums lieber eiskalt "geilen Grindcore aus Uruguay" oder definiert die Musikrichtung der Band bierernst als "symphonischen, postapokalyptischen, gotteslästerlichen, Rentier-zermürbenden, extrem verwerflichen, fennoskandinavischen Metal".

Es ist vor allem diese Diskrepanz zwischen der harten Musik und ihrer Ikonografie und dem beschaulichen finnischen Alltag, die mal schallendes Gelächter, mal Schmunzeln hervorruft. Kameramann Harri Räty taucht den Roadtrip in leuchtende Farben und warmes Licht. Der erzählerische Motor läuft allerdings nicht durchweg rund. Zwischendurch stottert die Geschichte mehrmals. Letztlich bietet "Heavy Trip" aber kurzweilige Unterhaltung, während derer Klischees über Heavy Metal und über Finnland und Norwegen ebenso gehörig ihr Fett weg bekommen wie Homophobie, Islamophobie und Rassismus.

Fazit: "Heavy Trip" ist ein Muss für alle Heavy-Metal-Fans; eine schräge, zuweilen derbe Komödie, die sich selbst kein bisschen, ihre liebenswerten Charaktere dafür sehr ernst nimmt. Ein (manchmal etwas holpriger) Heidenspaß auch für all jene, die nichts mit der harten Musik anfangen können.




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