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Die 1000 Glotzböbbel vom Dr. Mabuse
Die 1000 Glotzböbbel vom Dr. Mabuse
© Camino

Kritik: Die 1000 Glotzböbbel vom Dr. Mabuse (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der aus Reutlingen stammende Sprachkünstler, Komiker, Regisseur und Produzent Dominik Kuhn wurde ab Mitte der nuller Jahre unter seinem Online-Alias Dodokay durch seine nachsynchronisierten Videos auf Portalen wie Youtube oder Clipfish bekannt. So nahm er sich zum Beispiel Ausschnitte aus der damals populären Serie "24" sowie aus "Star Wars"-Filmen vor und vertonte diese in typisch schwäbischem Dialekt. Der deutsche Klassiker "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse", auf dem Dodokays Filmdebüt basiert, stammt von Fritz Lang ("Metropolis"). Der in West-Berlin gedrehte Film ist die Fortsetzung von Langs Dr. Mabuse-Produktionen aus den zwanziger und dreißiger Jahren.

Wer an den bisherigen schwäbischen Synchronisationen Dodokays (etwa der SWR-Serie "Die Welt auf Schwäbisch") seine Freude hatte, wird bei "Die 1000 Glotzböbbel vom Dr. Mabuse" voll auf seine Kosten kommen. Zum ersten Mal gibt es seine schwäbische Mundart in Spielfilmlänge, wobei es abermals der den unterschiedlichen Charakteren in den Mund gelegte, ebenso schrullige wie deftig-rustikale Dialekt ist, der einen großen Reiz ausmacht – und für viele Lacher sorgt. Gerade, wenn der Inhalt des Geäußerten so gar nicht mit Gestik und Mimik der Darsteller übereinstimmen will.

Etwa wenn Gert Fröbe als Kult-Kommissar Krass während einer hektischen Verfolgungsjagd im Polizeiauto plötzlich in aller Seelenruhe per Telefon eine Pizza bestellt. Oder er immer wieder erklären muss, dass sein Nachname nicht bedeute, dass er eine "krasse" – im Sinne von "außergewöhnlich, besonders" – Person sei. Der Inhalt des Films ist etwas abgeändert. Außerdem wurden einige kurze Szenen und Einstellungen neu im Film platziert, die sich aber stimmig in Handlung und Dramaturgie einfügen. Gerade wenn es um das ominöse "Internet" geht, auf das es der Bösewicht im Film abgesehen hat. Skurril ist dabei freilich der Kontrast zwischen dem modernen Thema "Internet" und den etwas angestaubt und antiquiert wirkenden Schwarz-Weiß-Bildern aus den Sechzigern.

Highlight aber ist und bleibt der Dialekt, mit dem Dodokay gekonnt spielt. Außerdem bringen seine Figuren mit ihren auf Schwäbisch vorgetragenen Lebensweisheiten nicht selten Alltägliches äußerst treffend und präzise auf den Punkt. Als Nicht-Schwabe versteht man zwar nicht immer alles gleich auf Anhieb (Grammatik und Betonung sind sehr speziell), doch allein der "exotische" Klang des nahezu vollständig auf Umlaute verzichtenden Dialekts, sorgt für Witz und Abwechslung.

Fazit: Außergewöhnliches, ambitioniertes filmisches Projekt, das als kurzweilige, schräge Synchron-Comedy ganz wunderbar funktioniert.




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