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Lost in the Living
Lost in the Living
© UCM.One

Kritik: Lost in the Living (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Drei Jahre nach seiner Deutschlandpremiere beim Achtung-Berlin-Festival erhält Robert Mansons Langfilmdebüt "Lost in the Living" doch noch eine Kinoauswertung. Die Wartezeit hat dem Drama nicht geschadet. Den Flair der Stadt und des Umlands zwischen luftigen Hostels, lässigen Bars, geschäftigen Plätzen, menschenleeren Parks und einsamen Seen konserviert "Lost in the Living" mühelos, ohne allzu viele abgegriffene Postkartenansichten zu bemühen.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht der Sänger Oisín (Tadhg Murphy), ein typischer Drifter. Robert Mansons Drehbuch verrät nicht allzu viel über ihn. Oisíns Erinnerungsfetzen, die ein zerrüttetes Verhältnis mit seinem Vater Paddy (Liam Carney) andeuten, blitzen nur vereinzelt auf. Ein Satz deutet eine Exfreundin an, über die der Musiker noch nicht hinweg ist. Der Zwist mit seinen Bandkollegen bietet eine willkommene Gelegenheit für den Orientierungslosen, sich einfach treiben zu lassen. In der Deutschen Sabine (Aylin Tezel) findet der Ire auf Abwegen eine faszinierende Reiseleiterin, die ihm und uns Zuschauern einen anderen Blick auf Berlin eröffnet. Doch Sabine ist selbst auf der Suche, verliert sich wie Oisín im Leben. "Lost in the Living" das sind zwei Drifter, die ein Stück des Weges gemeinsam gehen.

Die Handlung passt sich ihren Figuren an. Ohne große dramaturgische oder inszenatorische Höhepunkte treibt sie vor sich hin. Hin und wieder gelingen Manson feine Beobachtungen und schöne Miniaturen, etwa wenn sich Sabine und Oisín am Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain über erzählte Erinnerungen einander zärtlich annähern oder wenig später gemeinsam nicht minder zaghaft in einen See steigen. Die Dialoge sind dem Leben abgeschaut. Die Band Squarehead gibt es tatsächlich. Lediglich Oisín wurde als Sänger hinzugedichtet. Das Spiel der drei übrigen Mitglieder unterstützt Mansons naturalistischen Ansatz.

Hier brilliert Aylin Tezel durch ihr natürliches Spiel. Die ungestüme Berlinerin, ob die behaupteten 19 Jahre jung oder deutlich älter, nehmen wir ihr jederzeit ab. Tadgh Murphys gespielte Zurückhaltung wirkt hingegen aufgesetzt. Robert Manson hat seine Hauptfigur so antriebslos angelegt, dass er dadurch seinen Film permanent ausbremst. Selbst im Drogenrausch ist Oisín lethargisch. Weil diese Lethargie aber dessen einzige Facette bleibt, verlieren wir schnell das Interesse an Oisín und seiner Geschichte. Im Gegensatz zum anderen großen Berlinfilm des Jahrs 2015, dem von der ersten bis zur letzten Minute pulsierenden und flirrenden "Victoria", ist "Lost in the Living" eine melancholisch gefärbte, etwas blutarme Version.

Fazit: Robert Mansons Langfilmdebüt über einen irischen Musiker, der sich in Berlin treiben lässt, fängt die Atmosphäre der deutschen Hauptstadt gut ein und überzeugt in Teilen durch sein natürliches Schauspiel. Die inszenatorische, dramaturgische und darstellerische Zurückhaltung ist aber etwas blutarm. Dem Drifter fehlt es deutlich an Drive.




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